Aufnahme: 1968
So war damals die Meinung im Vorfeld der anstehenden Neu-Raumordnung, die 1969 in Kraft trat.
Wir haben heute einen Verfechter der Großgemeinde am Siebengebirge um seine Meinung gefragt. Bürgermeister Müller von Heisterbacherrott, der sich für eine Großlösung am Siebengebirge einsetzen will, stand uns Rede und Antwort.
Frage: "Aus unseren kleinen Vorberichten geht schon klar hervor, dass es genügend Gründe gibt, auch im Siebengebirge eine Großgemeinde wie sie vom Innenminister vorgeschlagen ist, zu befürworten. Was glauben Sie, Herr Bürgermeister, warum trotz vieler
Vorverhandlungen eine freiwillige Neugliederung am Siebengebirge nicht zustande kam?'
Antwort: "Nachdem unsere sachlichen Verhandlungspartner und Befürworter einer Großgemeinde Oberkassel und Stieldorf sich nach Beuel orientierten, wurde immer wieder der Eindruck erweckt, als wenn sich die ganze Neugliederung nur nach Königswinter und Oberpleis zu richten hätte. Dabei wohnen in der Stadt Königswinter und in der Gemeinde Oberpleis nur 1/4 der angesprochenen Bevölkerung. Eine weitere Schwierigkeit war, dass viele Gemeindevertreter die Belange der Gemeinden mit Partei¬ oder Privatinteressen verwechselten. Dazu kam, dass zwischen den Vertretern der Rheingemeinden und Vertretern der Gemeinde Oberpleis ein Abkommen getroffen wurde, alles abzulehnen, was für die Bildung einer Großgemeinde sprechen könnte, wodurch über die Presse der Eindruck erweckt werden sollte, dass die Bevölkerung eine Berg- und eine Talgemeinde wünsche.»
Frage: Können Sie uns dafür einige Beispiele nennen?'
Antwort: "Ja. Da wurde bei Parteiversammlungen in den Rheingemeinden frech behauptet, dass die Bevölkerung der Berggemeinden eine Verbindung mit den Rheingemeinden nicht wünsche. Dabei wurden in Heisterbacherrott schon seit längerer Zeit einstimmige Beschlüsse gefasst, dass bei einer Neugliederung nur eine Verbindung mit den Rheingemeinden infrage kommen würde. Ich war auch Zuhörer bei einer gut besuchten Bürgerversammlung in Ittenbach. Nur ein Bürger sprach sich gegen eine Verbindung mit den Rheingemeinden aus."
Frage: "Von Gegnern der Großgemeinde wurden immer wieder zwei Punkte angegeben, die gegen die Großgemeinde sprechen sollten. Das Siebengebirge sei eine Trennung zwischen Berg und Tal, wird immer wieder behauptet und auch sei die Mentalität der Bevölkerung zwischen „Oben und Unten" verschieden. Was sagen Sie dazu?"
Antwort: Das Siebengebirge war nie eine Trennung und wird auch nie eine Trennung sein. Von je her sind wir in Bezug auf Verwaltung, Bundesbahn, Siebengebirgsbahn und Verbindung auf dem Wasserwege zum Rhein abhängig. Viele Bewohner in den Berggemeinden haben ihre Arbeitsplätze am Rhein. Auch in Bezug auf das Schulwesen bezüglich der weiterbildenden Schulen besteht immer noch enge Verbindung zu den Rheingemeinden. Für alle, die aus den Rheingemeinden und aus dem Raume Bonn im Siebengebirge Ihre Wohnung suchen, ist das Siebengebirge ja auch keine Trennung. Zudem kann man das Siebengebirge vom Rhein mit einer öffentlichen Verkehrslinie in sechs Minuten durchfahren. Wer in unserem Zeitalter bei Entfernungen von 2 bis 3 Kilometern noch von unüberwindlicher Trennung spricht, dürfte bei Fachleuten, die für die Zukunft planen, auf wenig Verständnis stoßen.«
Frage: . Was glauben Sie, wie ist die Meinung 'der Bevölkerung zu dem Vorschlag einer Großgemeinde am Siebengebirge?
Antwort: Alle hoffen auf eine schnelle Entscheidung des Landtages, wenn möglich noch in diesem Jahre. Einige wünschen sich noch eine kleine Lösung, jedoch ist der überwiegende Teil für die Großraumlösung. Ganz wenige sehen die Großgemeinde als eine schlechte Lösung an." St.
Etwas zu ergänzen?
Kennen Sie abgebildete Personen, das Jahr oder Hintergründe zu diesem Bild? Schicken Sie uns einen Hinweis – wir prüfen ihn und ergänzen das Objekt.