Aufnahme: 1967
Ehrenmitglieder des Thomasberger Gesangvereins
"100 Jahre Thomasberger Gesangverein
von unserem Mitarbeiter Günther Steeg
Der Thomasberger Gesangverein, der am 29. und 30. April sein 100-jähriges Bestehen feiern kann, zählt heute 39 aktive Sängerinnen und Sänger. Dem Verein gehören 7 Ehrenmitglieder an. Es sind dies: Matthias Bröhl, Peter Klein, Johann Bellinghausen, Josef Otto, Josef Müller, Ferdinand Schmitt und Carl Dreckmann. Otto Franz ist außerordentliches Ehrenmitglied. Den Posten des Ehrenvorsitzenden bekleidet Franz Bellinghausen. Der Jubelverein wird geleitet von Wilhelm Dreesbach als 1. Vorsitzenden. Seine Mitarbeiter im Vorstand sind: Franz Brodesser (2. Vorsitzender) Hermann Reusch (Kassierer), Jakob Bärhausen (Schriftführer) sowie Fine Reusch und Hilde Dahm (Beisitzerinnen).
Am 29. April ist im Thomasberger Hof ein Festkonzert um 20 Uhr vorgesehen. Am nachfolgenden Sonntag beginnt um 16.30 Uhr ein Freundschaftssingen verbunden mit einem Konzert.
Ein altes, vergilbtes Dokument, welches dem Protokollbuch von 1899 beigefügt ist, gibt noch Kenntnis von den Männern, die sich vor 100 Jahren im damaligen Schulbezirk Kuxenberg zusammenscharten und einen Gesangverein gründeten unter dem Motto: „Dem Wahren, Guten und Schönen soll unser Lied ertönen". Die Mitglieder kamen aus den Ortschaften Bennert, Busch, Harperoth, Kuxenberg, Steinringen, Thomasberg und Wiese. Jenes Schriftstück des vergangenen Jahrhunderts trägt die Aufzeichnung der ersten Vereinsstatuten und die Unterschriften derjenigen, die am Abend des 1. Mai 1867 den Grundstein legten zum Aufbau des „Männergesangvereins Thomasberg".
Mit 16 Mitgliedern hat der Gesangverein seine Tätigkeit begonnen. Heute ruhen alle Gründer in der kühlen Heimaterde. Leider sind Aufzeichnungen über die Entwicklung des Vereinslebens in den ersten 3 Jahrzehnten nicht mehr vorhanden.
Der MGV Thomasberg hat in früheren Jahren nicht nur das deutsche Lied und den Männerchorgesang geübt und gepflegt, sondern auch das gemütliche, fröhliche, gesellige Leben unter den Mitgliedern, wie aus dem Protokollbuch ab Januar 1899 hervorgeht. Im November 1905 wurde erstmalig beschlossen, nicht nur aktive, sondern auch inaktive Sänger aufzunehmen. Es wird von erfreulichen Fortschritten im Chorgesang berichtet und bei zahlreichen Gesangswettstreiten errang man Anerkennung und Preise. Bei Todesfällen von Mitgliedern wurden die Hinterbliebenen durch die Einrichtung einer Sterbekasse unterstützt.
Der erste Weltkrieg unterbrach jäh den stattlichen Sängerkreis. Für die im Felde stehenden Heimatsöhne entwickelte sich eine große Liebes- und Sammeltätigkeit. Man kaufte Bekleidung ein, um damit die Soldaten zu unterstützen.
Im Spätherbst des Jahres 1917 begann das Vereinsleben unter dem damaligen Vorsitzenden Wilhelm Weber aus Bellinghausen wieder lebendig zu werden. 50 Jahre war Weber als aktiver Sänger tätig, er wurde später bis zu seinem Tode im Jahre 1936 als Ehrenmitglied geführt. Voll und regelmäßig setzte das Vereinsleben nach Kriegsende, im Januar 1919, wieder ein. Für den Bau eines Kriegsehrenmales stiftete man in den nachfolgenden Jahren mehrmals einen ansehnlichen Betrag. Schwere Krisenjahre brachte die Zeit der Inflation. Mehr als einmal drohte das Vereinsschifflein infolge der furchtbaren wirtschaftlichen Verhältnisse zu zerschellen. Durch die Bemühungen des Vorstandes und dank der Treue derjenigen, die trotz eigener Sorgen und Nöte zu ihrem Gesangverein standen, konnte die Inflation schließlich überbrückt werden.
Die Jahre, die nun folgten, brachten nach manchen Kämpfen dem MGV Thomasberg unter Leitung seines Dirigenten, Lehrer Willnecker, ein neues und frohes Aufblühen. Der Dirigent verstand es, die Mitglieder zu ernster Arbeit anzuregen und die Notenkenntnisse zu verbessern. Die Veranstaltungen, die der Gesangverein in früheren Jahren eingeführt hatte, wurden wieder aufgenommen. Im Mai 1927 konnte man glanzvoll bei Beteiligung zahlreicher auswärtiger Sänger das 60. Stiftungsfest feiern, das - wie im Protokollbuch berichtet wird - ganz ausgezeichnet verlief.
Zwei Jahre später führte man mit der Aufnahme von Sängerinnen den gemischten Chor ein. Von diesem Zeitpunkt -also von 1929 an - waren dem Chor andere, größere und schönere Ziele gesteckt. Von 1929 - 1934 leisteten die Sangesfreunde unter Lehrer Willnecker ganz Hervorragendes.
Infolge Versetzung sah sich Willnecker später gezwungen, den Dirigentenposten abzugeben, nachdem er ihn 10 Jahre innegehabt hatte. Für den scheidenden fand der Chor in Carl Dreckmann einen tüchtigen Nachfolger.
An dieser Stelle sei auch des Herrn Hermann Büsgen gedacht, der bis zum Jahre 1936 als 1. Vorsitzender Beachtliches leistete. Sein Sohn Johann übernahm nach ihm die geschäftliche und organisatorische Führung. Die Chronik berichtet von schönen Festen und zahlreichen Auftritten in anderen Städten und Dörfern."
Bild unten: Die älteste Fahne des Thomasberger Gesangvereins ist heute 96 Jahre alt.
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