Aufnahme: 1966
Verdiente Lehrerin schied aus
„Ihr Werk lebt in den Kindern fort"
Die Siebengebirgs-Zeitung berichtete:
Im Rahmen einer kleinen Feierstunde verabschiedete das Lehrerkollegium, die Schülerschaft und die Bevölkerung von Thomasberg Lehrerin Frau Grete Müller, die nach Erreichung der Altersgrenze aus dem aktiven Schuldienst ausschied. Frau Müller war 23 Jahre Lehrerin in Thomasberg. Eröffnet wurde die Feierstunde im Thomasberger Hof mit dem "Polnischen Konzert" von Telemann durch das Kammerorchester Oberpleis. Der Gemischte Chor Thomasberg sang dann das "Abendständchen" von Karl Schiebold. Mit den Flötenspielen „Winter ade" und „Wach auf meins Herzens Schöne" erfreuten Kinder der Schule Thomasberg. Ganz auf den Frühling abgestimmt (während es draußen schneite) waren auch die Darbietungen des Schulchores sowie der Volkstanzgruppe. Amtsbürgermeister Weber nannte die scheidende Lehrerin in seiner Glückwunschansprache eine bewährte und beliebte Lehrerin. Er wünschte ihr, indem er Frau Müller ein Angebinde der Gemeinde überreichte, einen langen und schönen Lebensabend.
„Sie haben den Kindern nicht Lesen, Schreiben und Rechnen beigebracht, sondern sie auch auf Gott hin erzogen", sagte Pfarrer Riem von der katholischen Gemeinde Thomasberg. Pastor Lubrich von der evangelischen Gemeinde Oberpleis rief in seiner Glückwunschrede die Kinder auf, stets ihre Lehrpersonen zu achten und zu grüßen. Viel Freude lösten dann noch die sportlichen und schauspielerischen Darbietungen aus. Hauptlehrer Toni Meyer schilderte in seiner Ansprache das Lebensbild der scheidenden Lehrerin. Frau Müller, die aus der Eifel stammt, begann ihr pädagogisches Studium 1918 in Siegburg. Nach Beendigung des Studiums wurde sie, wie alle Beamten aus dem Saargebiet, ausgewiesen. Hierdurch bedingt herrschte in Deutschland ein Überangebot an Lehrpersonen. 9 Jahre musste sie warten, bis sie am 1. Mai 1933 ihre 1. Lehrerinnenstelle in Cuxhausen an der luxemburgischen Grenze antreten konnte. 1939 schied sie infolge Heirat aus dem Lehrerinnenberuf aus. 1943 starb ihr Mann.
Nun bewarb sich Frau Müller erneut darum, wieder Kinder ausbilden zu können. Sie erhielt eine Stelle in Thomasberg. Während ihrer 9jährigen Wartezeit übte sie die verschiedensten Tätigkeiten aus, zuerst als Näherin, dann unterrichtete sie Kinder auf Bauernhöfen, half ihrer Schwester in einer Kölner Wirtschaft, vertrat eine kranke Lehrperson in Piesport und züchtete schließlich 36 Nerze. Hauptlehrer Meyer wünschte seiner liebenswerten Kollegin noch einen schönen Lebensabend in Thomasberg und sagte zum Abschluss: „Ihr Werk lebt in den Kindern fort." Die Ortsvereine überreichten der scheidenden Pädagogin Blumenangebinde. Beendet wurde die sehr gut besuchte Feierstunde mit der "Kleinen Nachtmusik" von Mozart durch das Oberpleiser Kammerorchester. St.
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