Aufnahme: 1965

Heisterbacherrott, ein stiller Erholungsort für Sommer, Winter und Wochenende - so beschreibt Stefan Zylka seinen Heimatort

"Heisterbacherrott, ein stiller Erholungsort für Sommer, Winter und Wochenende, eine der schönsten Eingangspforten zu den Wundern des Siebengebirges, liegt, umrahmt von einigen der interessantesten Berge, auf einem sich weit nach Nordwesten öffnenden Hochplateau. Schon früh spielte diese Landschaft in der Siedlungsgeschichte der früheren Jahrhunderte eine Rolle. Der Name 'Roda von Heisterbach' legt hierfür Zeugnis ab. Der Fronhof ist erstmals 1173 in einer Urkunde erwähnt und aus dieser Zeit stammt auch die alte im Hofgelände liegende Nikolauskapelle, die sich malerisch in dem Gutsweiher spiegelt. Wenn sich auch die nähere Umgebung der Kapelle noch nicht in dem Zustand befindet, der ihr angemessen ist, so sind aber Bewegungen im Gange, die das bald ändern werden.

Die Pfarrkirche (in ihrer Nähe befindet sich auch der große Parkplatz des Ortes), in der von gläubigen Menschen der Hl. Judas-Thaddäus verehrt wird, erhält z. Zt. einen kapellenartigen Anbau, in dem das Gnadenbild besser als bisher untergebracht werden soll.

Nach dieser geistigen und nach weiteren lukullischen Erfrischungen in den teils älteren Gaststätten des Ortes, zieht es den Besucher hinaus in das Gebirge. Wählt er den Gang durch den Ort in Richtung Ölberg, so wird er durch liebliche Wiesen- und schattige Hochwaldlandschaften auf guten Wegen schnell in das Herzstück des Gebirges geführt. Liebt der Besucher mehr bizarr gestaltete Urlandschaften, so möge er den Weilberg oder den Stenzelberg besuchen. Gerade bei diesem wird ihm auch ein gut Teil der Steinbruchgeschichte offenbar werden, wenn er erfährt, daß der Stenzelberg der Abtei Heisterbach gehörte und hier die guten festen Hausteine nicht nur für das Kloster, sondern auch für viele Bauten der näheren und weiteren Umgebung gebrochen wurden. Zieht es den Gast noch höher auf die Kuppen der Berge (Ölberg, Nonnenstromberg, Petersberg, Rosenau), so wird er erstaunt sein, wie sich ihm nicht nur von den Bergspitzen selbst, sondern schon unterwegs immer neue, bezaubernde, romantische Ausblicke in die Landschaften an der Sieg, des Westerwaldes und der Eifel bieten, ihn wird auch die stets abwechselnde Kulisse der vielen Bergkuppen begeistern, die zu den verschiedenen Jahres- und Tageszeiten in immer anderer Beleuchtung erscheinen.

Wenn auch im Zeitalter des Autos viele Menschen direkt bis an die Naturschönheiten fahren wollen, so verlangt Heisterbacherrott dabei eine ganz kleine Ausnahme. Hier führt kein Fahrweg in das Gebirge. Der Ort wird daher auch von solchen Besuchern bevorzugt, die ihren Wagen abstellen und nun zünftig die Schönheiten sich erwandern wollen. Die frische, herbe, von den Höhen fallende Gebirgs- und Waldluft wird Sinne und Geist bald zu neuen Taten wecken. Die Füße einmal auf den Wanderweg gesetzt, möchte er mit dem nun entfesselten Erkundungsdrang die ganze, großartige Gebirgs- und Waldnatur sehen, hören und erlebend in sich aufnehmen.

Als vielversprechenden Ausgangspunkt zu solchen Erlebnissen bietet sich allen Freunden der Natur und des Siebengebirges der Ort Heisterbacherrott an."

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 4 vom 22. Januar 1965
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper
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