Aufnahme: 1964
Abbruch Saal Lehmacher (Kruus)
Selbsthilfeaktion in Heisterbacherrott
Am Samstag wurde in Heisterbacherrott der Startschuss zu einer der größten Selbsthilfeaktionen der Nachkriegszeit gegeben. Die Jugend der Freiwilligen Feuerwehr und des Tambour- und -Fanfarenkorps „Bergklänge“ beseitigten die letzten Mauerreste in dem ausgebrannten Saale der jetzigen Gaststätte „ Im Krug zum grünen Kranze". Kein Bürger betrauerte diese Veränderung im Ortsbild, denn die Bezeichnung „Schandfleck“ war bisher eine der gelindesten.
Trotz größter Bemühungen des Rates, der Verwaltung und des VVH war eine Beseitigung der Mauerreste nicht möglich gewesen. Neben der finanziellen Seite war der Umstand ausschlaggebend, dass der Inhaber der Gaststätte schwer kriegsbeschädigt ist; also in eigener Regie nichts unternehmen konnte. Als er den Bescheid erhielt, dass er im Rahmen des Lastenausgleichs nichts zu erwarten habe, ergriff die Jugend die Initiative und setzte unter der Regie vom Bergklänge-Vorsitzenden Bürgermeister Friedrich Müller ein lang geplantes Vorhaben in die Tat um. Zwei Tage vor der Besatzung Heisterbacherrotts durch die Amerikaner hatte dieses Anwesen besonders unter Beschuss gelegen, da sich im Nebenhaus eine Funkstation befand. Durch Phosphorgranaten wurde ein Großbrand verursacht, dem das gesamte Anwesen einschließlich der Stallungen und dem Vieh zum Opfer fielen. Unter anderem wurden viele wertvolle Vereinsdokumente (Chroniken und Fahnen) ein Raub der Flammen.- In dem Zusammenhang finden es die Bürger unverständlich, dass einem Schwerkriegsbeschädigten, der sich unter größten Opfern notdürftig eine Existenz aufgebaut hat, jegliche Hilfe verweigert und dies durch komplizierte Berechnungen zu beweisen versucht.
Die FF-Leute leisteten jedenfalls ganze Arbeit. Mit dumpfem Dröhnen stürzte Stück um Stück des mächtigen Mauerwerks vom ehemaligen „Lehmachers Saal“ ineinander und die Mitglieder des Tambour- und Fanfaren-Corps zeigten, dass sie nicht nur auf musikalischem Gebiet etwas konnten.
Als gut ausgebildete Feuerwehrleute hatten sie schnell die schwachen Stellen des steinernen Ungetüms entdeckt. Stück um Stück fielen die Mauern – eine Staubwolke überzog das Gelände – und ein weiteres Stück Stück vom alten Heisterbacherrott gehörte der Vergangenheit an. Wenn auch unter den älteren Zuschauern Jugenderinnerungen und Erlebnisse aus dem Lehmachers Saal ausgetauscht wurden, der Ruine weinte keiner eine Träne nach. Trotz Gefährlichkeit des Unternehmens arbeiteten die Wehrleute mit Humor.
'“Schnaggel jangk es eropp, du beß noch nett vehieroot“, hieß es, als um eine hochgelegene Mauerpartie das Seil geschlungen werden sollte. Die Vorsichtsmaßnamen wurden strengstens beachtet. Dafür sorgte Friedrich Müller," Initiator der Aktion, Vorsitzender des Tambour- und Fanfarenkorps und Bürgermeister in einer Person. Obwohl er fleißig mit Hand anlegte, war er überall da anzutreffen, wo es kritisch wurde, damit nur ja keiner zu Schaden kam.
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