Aufnahme: 1970

Goldjubiläum auf dem Ölberg - Familie Steeg seit 50 Jahren Pächter des Ölberghauses

"Der 'Verschönerungsverein für das Siebengebirge' hatte zur Feier des Tages eingeladen - der gesamte Vorstand des VVS mit dem Vorsitzenden Dr. Horster, Oberstadtdirektor i. R. Dr. Langendörfer sowie der neue Geschäftsführer Peter Hilger waren erschienen. Der Rhein-Sieg-Kreis war durch August Müller, den stellvertretenden Landrat, und Oberkreisdirektor Paul Kieras vertreten, der Regierungspräsident und die Obere Naturschutzbehörde durch Regierungsdirektor Beuke. Als Vertreter der Stadt Königswinter überbrachte Verkehrsdirektor Hoffmann die Glückwunsche. Eine Abordnung des Verkehrsvereins Ittenbach und der Wirtevereinigung mit Erich Krebs waren dabei. Und Erich Krebs überreichte dem Gastronomen und heutigen Pächter Hans Prinz die Ehrenurkunde des Landesverbandes der Gaststätten- und Hotelbetriebe des Landes NRW.

Der Ölberg war in früheren Zeiten immer ein Wanderziel der Königswinterer Jugend. Es war ein alter Brauch, daß man am Pfingstsonntagmorgen in aller Herrgottsfrühe auf den höchsten Berg des Siebengebirges stieg, um dort den Sonnenaufgang zu erleben. Damals stand oben ein kleiner Gasthof und in einem kurzen historischen Rückblick erzählte Dr. Horster, daß bereits im Jahre 1834 eine Anzeige aufgegeben worden war, aus der man entnehmen konnte, daß auf dem Ölberg ein Weinausschank eröffnet worden sei.

Aber erst 1920 begann mit dem Ehepaar Wilhelm Steeg der eigentliche Gaststättenbetrieb. Zu Beginn stand nur ein kleiner Raum zur Verfügung. Mit dem kleinen Verdienst und mit Hilfe des VVS wurde das Anwesen weiter ausgebaut. Es war eine mühsame Zeit, erinnert sich der heutige Pächter Hans Prinz, der Gatte der Enkelin Waltraut des Ehepaares Steeg, denn es gab noch kein Wasser da oben. Es mußte mit Ochsenkarren und Pferdedroschken in 500 Liter-Behältern auf den Gipfel gebracht werden und die Fuhre kostete fast 16 Mark. Das war damals sehr viel Geld. Im Winter wurde manchmal Schnee geschmolzen, um das Wasser für den Haushalt und für das Kochen zu gewinnen.

Im Jahre 1951 wurde es dann leichter. Die Wasserleitung wurde nach oben verlegt. Aber der Wasserleitungsbau war eine teure Angelegenheit. Und auch heute noch muß Herr Prinz den Leitungsbau mit armortisieren. Man bedenke: Der Kubikmeter Wasser kostet 4,40 DM!

Erinnerungen wurden auch wach, als August Müller, als Königswinters ehemaliger Bürgermeister mit den Verhältnissen vertraut, erzählte. Als alter Freund der Familie Steeg wußte er zu berichten, in welch aufopfernder Weise Frau Steeg sich während des zweiten Weltkrieges der Verwundeten annahm, damals, als die Front in die unmittelbare Nähe des Ölbergs gerückt war. Sie zerschnitt ihre Bettlaken, um Verbandzeug für die Verwundeten zu haben. Das Ölberghaus wurde noch kurz vor Kriegsende teilweise zerstört, denn da oben war eine Funkstation untergebracht, die für Freund und Feind interessant war. Schließlich ergriffen die Amerikaner Besitz von Berg und Haus. Als sie abzogen, fand der Pächter nur noch Scherben und Trümmer vor. Gläser und Porzellan waren mitgenommen worden. Der Rest wurde mutwillig zerstört. Ein neuer Anfang mußte gemacht werden.

Im Jahre 1956 hat das Pächterehepaar Waltraut und Hans Prinz die Restauration von den Schwiegereltern übernommen. Inzwischen ist das Ölberghaus eines der beliebtesten Ausflugsziele im Siebengebirge geworden, geschätzt auch wegen der ausgezeichneten Küche, in der Wildbraten zu den Leckerbissen gehört, beliebt auch wegen der sehr schön hergerichteten, gemütlichen Räume. Von der Terrasse aus hat man einen unvergleichlichen Blick auf die Landschaft des Gebirges und des Rheines.

Hoffen wir, daß wir und viele andere Besucher noch lange den Genuß und das Vergnügen haben, in der Berggaststätte 'Auf dem Ölberg' einkehren zu können. Das sei unser Wunsch für die Zukunft."

Quelle
Echo des Siebengebirges Nr. 31 vom 7. August 1970 (Text)
Zur Verfügung gestellt von
Heimatverein Siebengebirge e.V. Königswinter (Echo) / Archiv VVS (Foto)
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