Abgebildete Personen
Aufnahme: 1929
Ein Siebengebirgs-Heimatspiel - Der Letzte von der Rosenau
"Die drei Ritter, der von der Rosenau, der von der Löwenburg und von der Wolkenburg waren treue Kampfgefährten, treue Gesellen, die hinauszogen in den heiligen Krieg, das Grab des Herrn von den Ungläubigen zu befreien. Lagen doch ihre Burgen dicht beieinander, von Söller zu Söller konnten sie zueinander schauen und sich begrüßen. Von allen Burgen aber weitete sich der Blick in das Land, die von der Löwenburg und Wolkenburg grüßten den Rhein stromauf, stromab, während der von der Rosenau weit in das heutige Siegerland schauen konnte, nur an der einen Seite begrenzt durch den hohen Oelberg. 700 Jahre sind seit jenen Tagen vergangen, als diese Ritter, von denen die Geschichte und Sage erzählt, lebten, ihre Burgen sind zerfallen, wenige Reste, kümmerliche Zeugen einstiger Größe sind von der Rosenau geblieben. Aber der Blick ins Weite blieb, in die schöne freie Natur, auf die grünen Wälder der Berge, auf die wogenden Felder im Siegtal und in die weite weite Ferne. Menschen gingen und kamen, ihre Geschichte erzählen die alten Chroniken und Bücher, der Zauber der Sagen webt um die Reste der alten Burgen und Berge, um die Städte und Klöster. Unser Rheinland ist ja so reich an diesem und besonders das schöne Siebengebirge enthält auch ihrer viele. Manches ist bekannt, aber auch vieles ist der großen Menge nicht erhalten. Wenige kennen nur die Geschichte der Burg Rosenau und die Beziehung ihrer Bewohner zum nahe gelegenen Kloster Heisterbach.
Darum ist es mit Freude zu begrüßen, daß diese Geschichte in einen dramatischen Stoff gekleidet in der Form eines Heimatspieles unter dem Titel
Der Letzte von der Rosenau
von H. J. Willnecker verfaßt und eingerichtet an historischer Stätte auf der Rosenau von der Heimatspiel=Gesellschaft Heisterbacherrott jetzt aufgeführt wird. Diese Gesellschaft will durch des Spiel den Heimatgedanken beleben, den Heimatstolz erwecken und dadurch auch unser Nationalbewußtsein stärken. Der Reinertrag fließt dem Orgelbaufond Heisterbacherrott zu. Das Spiel wird von Laien ausgeführt, einfachen Menschen der heimatlichen Scholle, die sich, wie aus ihrem Spiel hervorging, mit Leib und Seele in den Dienst der guten Sache gestellt haben. Sie gaben ihr Bestes, das muß erkannt werden und läßt über viele kleinere Mängel leicht hinwegsehen.
Das Spiel zeigt uns, wie schon gesagt, die Beziehungen der letzten Bewohner der Burg Rosenau zum Kloster Heisterbach. Es ist um das Jahr 1228, als Kaiser Friedrich II. zum 5. Kreuzzug hinauszog. Auf der Burg lebte der edle Ritter Theodorich von der Rosenau und seine Gemahlin Agnes mit ihrem Sohne Otto. Frieden herrschte dort, die Männer trieben das Waidwerk und zogen den Tag über hinaus, um das Wild zu erjagen. Da erscheint plötzlich der Abt Heinrich von Heisterdach. Er bringt die Botschaft von der beabsichtigten Kreuzfahrt und fordert zur Teilnahme auf. Wohl will Otto, der junge Sohn, mit hinausziehen, aber der Vater nimmt das Kreuz und geht mit seinen Gefährten in den Krieg.
Unterdessen hatte Agnes die nun elternlose Gisela von der Löwenburg zu sich genommen, da ihre Mutter tot und der Vater im Kriege war. Otto und Gisela lieben sich, aber der Abt, der dies bemerkt bat, erhebt Einspruch gegen diese Verbindung, denn Gisela ist dem Sayner versprochen und er ruft sie zu ihrer Pflicht. Theoderich fällt im heiligen Lande, Agnes stirbt vor Gram und die Liegenschaften der Burg fallen an das Kloster Heisterbach. Otto begehrt auf, er ist arm geworden, zieht jetzt als Bettler durch die Lande, da er es verschmähte, in das Kloster einzutreten. Aber er findet nirgends Ruhe, schließlich findet er doch in Heisterdach den Seelenfrieden.
Den Theoderich gab Matthias Radermacher beherrscht und ruhig, seine Gemahlin Agnes fand in Juliane Nietzer eine würdige Vertreterin, die warme Töne anzuschlagen verstand und namentlich in den Szenen, die einfach und schlicht das Innere widerspiegelten, gefiel. Junker Otto, von Peter Scheuren dargestellt, war ein trotziger Bursche, der ein echtes Temperament zeigte, während die Gisela der Katharina Moll voll und ganz Lebensechtes gab. Würdig und beherrscht auch der Abt des Heinrich Nietzer, der sich wohl besonders in seine Rolle vertieft hatte. Auch die beiden kleinen Rollen des Knappen, Joseph Henseler, und des Pagen, Elisabeth Henseler, waren gut besetzt. Das Bühnenbild war recht gut, doch sähen wir es bei den späteren Aufführungen lieber, wenn die Glasgefäße durch Holzbecher ersetzt würden, wie auch anstelle der Barocksessel Holzsessel treten können.
Vor allem verdient aber die Mühe und Arbeit, die der Verfasser Willnecker sich gegeben hat, vollste Anerkennung und Lob und mag ein Ansporn sein, derartige gute Heimatspiele weiter zu verbreiten.
Den noch folgenden Aufführungen ist weiter ein guter Besuch zu wünschen, nicht nur um des lehrreichen Stoffes wegen, sondern auch um des guten Zweckes willen, damit Heisterbacherrott bald seine Orgel erhält."
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