Aufnahme: 1979
Der wiederhergestellte Petrusbildstock
Der Petrusbildstock in Heisterbacherrott in neuem Glanz.
Mit der Veranstaltung des diesjährigfesten Weiherfestes in Heisterbacherrott wird auch der wiedererrichtete Petrusbildstock im Nikolauspark am Weiher der Öffentlichkeit übergeben.
Der alte Bildstock fiel einer Wetterkatastrophe zum Opfer. In der Nacht zum 1. Oktober 1977 fegte ein orkanartiger Sturm über das Gebirge, der eine fast 200 Jahre alte Kastanie umwarf. In ihrem Fall zertrümmerte sie dieses Kulturdenkmal aus dem Jahre 1790. Bildstock und Kastanie sind immer ein auffallender Punkt in der Feldflur gewesen.
Inzwischen wächst eine Linde ihrer zukünftigen Schönheit entgegen und der Bildstock steht in neuer Ausführung, nach Photos des alten errichtet, in auffallender Monumentalität an der historischen Stelle.
Die Vernichtung der Steinmetzteile des alten Gemäuers war so gründlich, daß diese alle neu gefertigt werden mussten. Die Arbeiten wurden - von der Stadtverwaltung vergeben - in Kruft in Eifelbasaltlava ausgeführt. Die neuen Teile können die Ehrwürdigkeit der alten nicht ersetzen; hier sollte nichts Altes aufgebaut werden, sondern aus unserer Zeit heraus dem Alten ein Denkmal erhalten bleiben.
Der jetzige Aufbau ist die dritte Renovierung. Nach dem zweiten Weltkrieg hat der bekannte, im Jahre 1965 verstorbene Baumschulist Peter Moll nicht nur das beschädigte Gemäuer, sondern auch die alte Petrusbüste restaurieren lassen. Die zweite Renovierung erfolgte nach der Herrichtung des heutigen Weiherparks, als die Büste gestohlen war und eine neue, vom Bürgermeister der Stadt gestiftet, eingesetzt werden sollte. Bei dieser Erneuerung wurden die entwendeten und zum Teil zerstörten Säulchen aus dem Kalksinter einer ehemaligen römischen Wasserleitung durch Bohrkerne aus der Drachenfelssanierung ersetzt. In dem neuen Bildstock sind diese Teile nun alle aus dem festen Eifeler Material gefertigt.
Die alte Petrusbüste, aus Eichenholz geschnitzt, stammt nach einer stilistischen Beurteilung durch eine Kölner Kunsthistorikerin und Konservatorin aus der Zeit des beginnenden 18. Jahrhunderts. Sie ist also wesentlich älter als der Bildstock. Sie ist eine Reliquienbüste, worauf der Pflock in der Brust des Petrus deutet. Woher sie stammt ist nicht bekannt, sicherlich aber befand sie sich zur Zeit der Errichtung des ersten Bildstockes im Besitz der Familie der Stifter. Die neue Büste ist eine möglichst getreue Nachbildung und wurde von einem Schnitzer in Erpel hergestellt.
Der wichtigste, historisch bedeutsame Teil des alten Bildstocks war die wuchtige Andesitplatte der Basis, die eine zweizeilige Inschrift trug. Teile dieser zertrümmerten Platte sind innen und außen in der Begrenzungsmauer eingesetzt worden Die beschädigte Inschrift lautet:
PETRUS SCHONEUER ODILIA MARGARETHA HOITZ EHELEUTH
HA ZU GOTTES EHR AUF IHRE EIGENE KOSTEN ES AUFGESTELT
Diese Inschrift war schon immer als ein für die Geschichte- des Ortes wichtiges Dokument angesehen worden.
Erst nach 1973 - angeregt durch die Chronik „800 Jahre Heisterbacherrott"- kam ein fruchtbarer Anstoß zur Erforschung. So wurden aus den verschiedenen Archiven und Registern wesentliche Fakten über die in der Inschrift des Bildstockes genannten Personen - die Stifter – zusammengetragen.
Bereits 1173 ist von einem Hof in Heisterbacherrott (curtim in Roda) in den Besitzverhältnissen des Klosters Schwarz-Rheindorf die Rede. Dieser Hof ist nicht nur räumlich engstens verbunden mit dem Bildstock, denn die Stifter Schoneuer/Hoitz waren die letzten Pächter dieses Hofes bis zur Säkularisation im Jahre 1803.
Bis 1764 war der Hof - Stiftshof oder Fronhof genannt - in Pacht der Familie Hoitz und zwar seit drei Generationen. In diesem Jahr fand eine Heirat statt, die bereits 1759 in einem Schein der Äbtissin von Schwarz¬Rheindorf angedeutet war. In diesem „Versicherungsschein" wurde der gewünschten Pacht eines Peter Schoneuer zugestimmt, wenn dieser die älteste Tochter des Pächters Hoitz heiraten und die Stiftsbedingungen erfüllen würde. Peter Schoneuer heiratete dann am 29.2.1764 (Trauregister N-Dollendorf) diese älteste Tochter der Eheleute Hoitz, namens Odilia Margaretha, genannt Grethgen.
Von 1764 an ist also das Ehepaar Schoneuer/Hoitz Pächter auf dem Hof. Peter Schoneuer hatte damit die Stiftsbedingungen erfüllt. Dieses Pächterehepaar ist dort bis zum Ende der Besitzverhältnisse von Schwarz-Rheindorf geblieben. Der Ehe der beiden entsprossen acht Kinder, drei Mädchen und fünf Knaben.
Bedeutsam für die Geschichte des Fronhofes sind die Taufurkunden von zwei dieser Kinder. Bei der Taufe des Sohnes Clemens, des fünften Kindes, war die Äbtissin von Schwarz-Rheindorf „die hochwürdige Herrin Clementina Amalia de Satzhofen" Taufpatin. Allerdings nur auf dem Papier, denn sie ließ sich vertreten. Nach der Äbtissin erhielt der Sohn den Namen Clemens. Das achte Kind, die Tochter Maria, erhielt die Taufnamen Maria Victoria Florentina nach ihrer Taufpatin, "der hochwürdigen und edlen Herrin Maria Victoria Florentina de Steinen", Äbtissin von Schwarz-Rheindorf. Der zweite Taufpate aber war der damalige Abt von Heisterbach, der „ehrwürdige Abt Andreas Kruchen". Dieser war 1768 zum Abt erwählt und der vorletzte Abt vor der Aufhebung des Klosters.
Wenn die Äbtissin selbst zur Taufe eines Kindes der Hofpächter ihres Stiftes erscheint, so muss das auch für die Familie eine besondere Ehre gewesen sein. Die Zeiten waren damals nicht rosig, aber vielleicht gerade deshalb wollten die beiden hohen Würdenträger ein Zeichen setzen, das Vertrauen bezeugen und geben sollte. Die lange Zeit der Hofpacht war neben der zahlreichen Kinderschar schon ein besonderer Anlass. Ist aber einmal die Äbtissin unterwegs und durchquert das Heisterbacher Hoheitsgebiet, dann musste auch der Abt ihr seine Ehre erweisen. Was war dabei sinnvoller, als mit ihr zusammen bei einer kirchlichen Handlung zugegen zu sein.
Im Jahre 1790 muss das Hofpächterehepaar dann dieser ihrer sicherlich erfolgreichen Zeit auf dem Fronhof dankbar gedacht haben und, um dies zu bezeugen, werden sie den Petrusbildstock aufgestellt haben.
Die Hofpacht führte als Nachfolger für den verstorbenen Vater der Sohn Clemens weiter, allerdings als Pächter vom Fiskus. Er heiratete die Tochter vom (nicht mehr bestehenden) Hasenhof in Hasenboseroth bei Oberpleis, Magdalena Weiler. Der Bruder der Magdalena, der Weilersohn Peter, heiratete die jüngste Schwester des Clemens, die oben erwähnte Maria Victoria Florentina. Diese Doppelhochzeit fand am 11. Februar 1804 statt.
Zusammen mit der renovierten Nikolauskapelle steht nun dieser Petrusbildstock im Park von Heisterbacherrott. Beide geben Zeugnis von Zeiten, die reich an Ereignissen waren. Möge unsere Zeit, aber auch jede kommenden Generation diese Kulturdokumente schützen, erhalten und zu würdigen wissen.
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