Aufnahme: 1930
Heisterbacherrott ehrt die für Heimat und Herd gefallenen Väter, Söhne und Brüder.
Über die Feier bei der Einweihung des Heisterbacherrotter Kriegerdenkmals im Jahre 1930 war in der Oberkasseler Zeitung Folgendes zu lesen:
Endlich nach zwölf Jahren wurde hier der große Wunsch und Wille einer kleinen Gemeinde erfüllt: den gefallenen Vätern, Söhnen und Brüdern der Heimat ein Ehrendenkmal setzen zu können. Es ist kein Entwurf von prunkvoller Aeußerlichkeit. Gemauert aus heimatlichem Gestein, entspricht es aber dem schlichten einfachen Charakter des Heimatdorfes und der Gefallenen, ohne rätselhafte Deutung und doch so erhebend schön, umgeben von grünen Ziersträuchern. Blühende Dahlien und Astern der einzige Schmuck. Schlicht und ergreifend war auch die Gedächtnisfeier vor der neuen Kriegergedächtnisstätte, die unter Beteiligung der ganzen Gemeinde am verflossenen Sonntagmorgen stattfand.
Festlich geschmückt war die Pfarrkirche, der Hochaltar erstrahlte in hellem Kerzenschein. Das feierliche Hochamt, das durch den mehrstimmigen Gesang des Kirchenchores eine besondere Weihe erhielt, wurde gehalten für die auf dem Felde der Ehre gefallenen Heimathelden. Nach Beendigung des Gottesdienstes erfolgte die Gedächtnisfeier vor dem Ehrenmal, das auf dem freien Platz neben der Kirche den denkbar günstigsten Platz erhalten hat.
Die Ortsvereine: Freiw. Feuerwehr unter dem Kommando des Brandmeisters Herrn Schonauer, der M.=G.=V. „Gemütlichkeit“, der Kameradschaftliche Verein, der Turnverein und der Junggesellenverein mit ihren Fahnen nahmen vor dem Denkmal Aufstellung. Um diese gruppierte sich die große Schar der Bürgerschaft der Gemeinde. Herr Peter Müller, der Vorsitzende des Denkmalbau=Ausschusses, hielt die Gedächtnisrede. Er führte aus, daß nun zwölf Jahre verstrichen seien seit dem Tage, an dem das blutige Völkerringen des Weltkrieges ein Ende gefunden hat. Ungeheure Opfer, Blut und Leben habe der Weltkrieg gefordert. Sehr viele Heimatsöhne, Väter und Brüder, die in Feindesland gefallen, habe die Gemeinde Heisterbacherrott zu beklagen. Mit Begeisterung sind sie hinausgezogen in Feindesland, im blutigen Westen, im fernen Osten haben sie gestanden, gekämpft, und sind gefallen für Heimat und Vaterland. Sie kehren nicht mehr zurück. Und diesen gefallenen Helden zu Ehren hat die Gemeinde Heisterbacherrott dieses Ehrenmal errichtet in dem Bewußtsein, daß sie den teuren Toten Dank schuldig ist für alles, was diese zur Erhaltung ihres Heimatlandes getan haben. Doch weiterhin soll die Kriegergedächtnisstätte daran erinnern, daß das gewaltige Opfer der Gefallenen nicht vergebens gewesen sein darf, daß wir, die Lebenden, alles dafür einsetzen müssen, daß Frieden wieder werde im deutschen Land, das ist unsere Aufgabe, auf daß Frieden und Eintracht uns alle miteinander verbindet. Dann sind die ungeheuren Opfer unserer gefallenen Helden nicht umsonst gewesen.
Anschließend in die Gedächtnisrede legte Herr Gemeindevorsteher Chr. Lichtenberg im Namen der Gemeinde den prachtvollen Kranz am Ehrenmal nieder. Fräulein Kath. Buchholz und Fräulein Kath. Scheuren sprachen mit guter Betonung den Prolog: „Es braust ein Ruf wie Donnerhall.“ Der M.=G.=V. „Gemütlichkeit“, unter Leitung des rührigen Dirigenten Herrn Lehrer Willnecker, sang das Lied: „Mag auch die Liebe weinen“, das so stimmungsvoll dem Rahmen der Feier sich anpaßte und dessen Ausklang so tröstend verhieß: „... es muß ein Morgenrot die Schlummernden einst wecken.“ Deklamatorisch gut vorgetragen sprach Fräulein Anna Müller das bekannte Gedicht: „Für uns.“ Der Turnverein Heisterbacherrott unter Anführung des Präsidenten Herrn Engelbert Henseler nahm vor dem Ehrenmal Aufstellung und brachte zwei sehr schöne Pyramiden zur Vorführung. Das Mitglied des Turnvereins, Herr Math. Horn, widmete in dem eindrucksvollen und sehr gut wiedergegebenen Prolog den gefallenen Heimatsöhnen, besonders den Kameraden des Turnvereins, ein ehrendes Gedenken. Nochmals folgte ein Liedervortrag des M.=G.=V. „Gemütlichkeit": „Es geht bei gedämpfter Trommel Klang...“ Hierauf richtete der Brandmeister der Freiwilligen Feuerwehr, Herr Schonauer, an die Anwesenden die Bitte, gemeinsam in stillem Gebet der Gefallenen zu gedenken. Herr Peter Müller dankte im Namen des Denkmalbauausschusses der ganzen Gemeinde und all denen, die durch ihre Hilfe die Errichtung der Kriegergedächtnisstätte möglich gemacht haben. Mit dem gemeinschaftlichen Lied: „Ich hatt' einen Kameraden“ fand die schlichte, aber sehr erhebende Einweihungsfeier ihren Abschluß.
Liebe und treues Erinnern, aufrichtiger und tiefer Dank gegen die, die als Heimatsöhne ungeahntes an Opfern brachten, das war es, was so tiefempfunden aus der ganzen Feier sprach, heilige Weihe, deren Eindruck unvergeßlich sein wird. Und was nützet auch aller äußerliche Prunk, darauf kommt es garnicht an, nichts ist er, wenn wir tief in unserem Herzen nicht derer in Liebe und Treue gedenken, die es verdient haben. Diese große Liebe, ewige Treue und tiefster Dank sind die Triebkräfte gewesen, die den Wunsch und Willen einer kleinen, festen Gemeinde zur Tat gemacht haben und den Gefallenen das Denkmal als äußerliches Ehrenzeichen errichteten. So steht nun heute das Ehrenmal auf dem Kirchplatz, nahe dem Gotteshause, im Hintergrunde die Berggipfel des Siebengebirges. Die Steintafeln mit den Namen, der altarartige Sockel mit dem Steinkreuz, sie sind ein Mahnruf an die Lebenden, Frieden zu schaffen, dem Geist der Liebe und des Friedens zu dienen, um dessentwillen die Millionen Opfer und Leben deutscher Männer gebracht werden mußten. Und all denen, die in weinender Trauer gestern das Ehrenmal umstanden, die so schwer durch den Heimgang des Ernährers um das Stücklein Brot, um das bischen Leben in den so schweren Zeiten zu kämpfen haben, sagt der Spruch, mit dem der Obelisk des Ehrenmals geschmückt ist, das Tröstungswort des Glaubens:
„Trennung ist unser Los,
Wiedersehen ist unsere Hoffnung!“
Gertrud Düppen, Oberkassel.
Anmerkung: Der heutige Vorplatz an Kirche und Kriegerdenkmal gehörte bis in die 1950er Jahre der Gemeinde Heisterbacherrott. Durch Verkauf an die katholische Kirchengemeinde konnte die Zivilgemeinde einen Teil des heutigen öffentlichen Parkplatzes aufkaufen.
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