Abgebildete Personen
Aufnahme: 1966
40 Jahre Freiwillige Feuerwehr Heisterbacherrott
Wenn heute über die Jahre der Gründung unserer Freiwilligen Feuerwehr berichtet werden soll, so ist man auf wenige Informationsquellen angewiesen, und man kann nur an Hand der noch vorliegenden Protokollbücher berichten und aus der mündlichen Oberlieferung der Alten schöpfen.
Im Mai des Jahres 1926 beschlos unsere Dorfgemeinschaft, eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen und lud alle Mitbürger zu einer Gründungsversammlung ein, der mit großer Anteilnahme Folge geleistet wurde. Die Wehr wurde am 15. 5. 1926 gegründet und in Oberkassel angemeldet.
Vorher hatte Heisterbacherrott eine Pflichtfeuerwehr, eine mit Geld oder Gefängnisstrafen bedrohte Zwangsmaßnahme, die in der Bevölkerung wenig geschätzt wurde. Danach war der Gemeinderat berechtigt, vom Pflichtfeuerwehrgesetz Gebrauch zu machen und alle männlichen Einwohner ab 16 Jahren zwangsweise zum Feuerwehrdienst einzuberufen, wenn nicht genügend freiwillige Meldungen erfolgten.
Am 29. 6. 1926 war die erste Versammlung der Freiwilligen Feuerwehr, auf der verhandelt und beschlossen wurde, dass die Wehr aus 27 Mitgliedern bestehen soll. Dieser Stand wurde auch bis heute - außer in den Jahren des Weltkrieges 1939/1945 - gehalten.
Die noch lebenden Gründer der Feuerwehr Von links nach rechts: Klemens Thomas, Wilhelm Müller,
Mathias Radermacher, Christian Henseler, Wilhelm Walgenbach und Josef Henseler.
Alle sind heute inaktive Mitglieder. Wilhelm Pütz (mit Uniform) ist der einzige noch aktive Gründer
der FF. In der Mitte des Bildes sieht man die erste Spritze der Wehr.
Die wirtschaftlich schweren Jahre in der Zeit nach der Gründung brachten es mit sich, dass die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr nur mit den notwendigsten Ausrüstungsgegenständen versorgt waren. Dem Einsatz dieser Kameraden, die trotzdem bei allen Übungen und Einsätzen zur Stelle waren und ihr Ziel schon damals darin sahen, einen hohen Ausbildungsstand zu erreichen, sei besonderer Dank gezollt.
Das Protokollbuch besagt, dass unsere Freiwillige Feuerwehr schon seit Bestehen nicht nur zu hartem Einsatz bereit war, sondern auch dafür gesorgt hat, ihren Mitbürgern Freude zu bereiten. Es war z. B. immer das Vorrecht der Freiwilligen Feuerwehr, das Erntedankfest, das traditionelle Wurstessen und lange Zeit den Martinsball auszurichten. Diese Feste waren immer ein Höhepunkt unseres Vereinslebens, und die Bevölkerung hat durch lebhafte Beteiligung an diesen Festen stets ihre Verbundenheit gezeigt.
Die Vereinsfeste verschönern die Frauen der Mitglieder
Der zweite Weltkrieg stellte unsere Freiwillige Feuerwehr vor ungeahnte schwere Aufgaben. Fast der gesamte aktive Mannschaftsbestand wurde zum Heeresdienst eingezogen. Ersatz hierfür konnte kaum gebildet werden und kein Dorfbewohner konnte mehr erwarten als die übliche Nachbarschaftshilfe. Sicher hätte in dieser unglückseligen Zeit manches Unglück verhindert werden können, wenn unsere immer einsatzfreudige Freiwillige Feuerwehr hätte zur Stelle sein können. Nach Beendigung dieses Weltkrieges sah die Führung unserer Wehr schon bald ihre Hauptaufgabe darin, die Freiwillige Feuerwehr wieder neu zu organisieren und ihre alte Schlagkraft wiederherzustellen.
Das Protokollbuch berichtet erst wieder aus dem Jahre 1949. Hier wurden schon regelmäßig Übungen und Versammlungen abgehalten und Neuanschaffungen für die Wehr gemacht. Allmählich nahm unser Leben wieder seine alten Formen an und jeder war bereit, am Aufbau unseres Dorfes mitzuwirken. Auch bei dieser Gelegenheit hat sich die Freiwillige Feuerwehr immer einsatzbereit gezeigt und geholfen, wo es gewünscht wurde.
Der allgemeine Aufbauwille kam in den folgenden Jahren auch unserer Freiwilligen Feuerwehr zugute. Die Ausrüstung wurde von Jahr zu Jahr besser und der angewachsenen Einwohnerzahl unseres Dorfes angepasst. Eine Unterkunft für die Geräte war jedoch durch Kriegseinwirkung nicht mehr vorhanden. Der Wehrkamerad W. Müller stellte großzügig ein Grundstück zur Verfügung, um ein Gerätehaus zu erstellen. Dieses wurde dann auch aus eigener Kraft von der Wehr erbaut.
Es wurde aber festgestellt, dass die alte Löschart längst überholt war. Aus diesem Grunde wurde eine Motorspritze angeschafft, die aber mit der Wasserleitung nicht in Verbindung gebracht werden konnte. Es musste ein eigener Brandweiher angelegt werden. Für das Niederdorf war die Möglichkeit gegeben, aus dem Frohnhofweiher Wasser zu entnehmen. Das Oberdorf wurde aus dem Brandweiher, der in der Nähe des Gerätehauses (Grundstück Müller) angelegt worden war, mit Wasser versorgt.
Das Amt Oberkassel unterstützte die Bestrebungen der Wehr und erkannte auch die Notwendigkeit der Anschaffung eines Feuerwehrautos, das die Kameraden W. Pütz, H. Münz, F. Wasser und F. Müller am 1. 1. 1961 bei der Firma A. Ziegler in Giengen abho!en konnten. Anfang 1964 ging dann auch noch ein langgehegter Wunsch der Freiwilligen Feuerwehr in Erfüllung, als ein zugezogener Heisterbacherrotter Bürger der Wehr das 1. Atemschutzgerät stiftete. Aus seiner langjährigen Arbeit im Feuerschutz und aus dem Gefühl der Verbundenheit zu unserer Freiwilligen Feuerwehr
Die Ausrüstung der Wehr bis 1964
Einsegnung des neuen Löschfahrzeuges durch Pastor Müller im Januar 1961
erkannte er die Wichtigkeit eines solchen Gerätes im Brandschutz und überreichte es anläßlich einer kleinen Feierstunde der Wehr mit allen guten Wünschen. Mittlerweile hat das Amt Oberkassel die Anschaffung von 2 weiteren Atemschutzgeräten genehmigt, so dass unsere Freiwillige Feuerwehr heute als besonders gut ausgerüstet angesehen werden kann.
Das 40-jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Heisterbacherrott war auch der Anlass, zu dem die Bevölkerung ihren Dank und ihre Verbundenheit der Freiwilligen Feuerwehr zum Ausdruck bringen wollte. Eine Haussammlung bewies die Gebefreudigkeit unserer Dorfbewohner in so hohem Maße, dass sie der Freiwilligen Feuerwehr zu diesem Jubiläum eine Fahne stiften konnte, die in einem würdevollen Festakt durch Pastor Müller geweiht werden soll.
Außer den vorliegenden Darstellungen mit schönen und schmerzlichen Erinnerungen aus der Vergangenheit bewegt uns aber heute auch der Ausblick in die Zukunft. Der freiwillige Einsatz des einzelnen für seine Mitbürger kann nicht hoch genug eingeschätzt werden und die Bereitschaft, jederzeit Leben und Gesundheit aufs Spiel zu setzen, um fremdes Gut vor Feuersgefahr zu schützen, ist etwas Großartiges.
Die Alten werden immer Vorbild sein für unsere Jugend und sie werden es auch in Zukunft in der Hand haben, den Gedanken der Freiwilligen Feuerwehr hochzuhalten und weiterzugeben.
Etwas zu ergänzen?
Kennen Sie abgebildete Personen, das Jahr oder Hintergründe zu diesem Bild? Schicken Sie uns einen Hinweis – wir prüfen ihn und ergänzen das Objekt.