Aufnahme: 2014
1. Hoffmann-Treffen - „Blauer Qualm über dem Siebengebirge“
Am letzten Wochenende im August 2014 legte sich eine leichte Qualmwolke mit dem Geruch von verbranntem Öl über das Siebengebirge. Schuld daran war jedoch nicht der Brand in Rottbitze oder ein Chemieunfall in Wesseling, sondern eine Ausfahrt mit historischen Motorrädern. Diese wurde organisiert von den Hoffmann-Freunden Siebengebirge.
Wir, die sechs Hoffmann-Freunde aus Heisterbacherrott, hatten erstmalig zum Markentreffen der Hoffmann-Werke Lintorf geladen. Somit konnten wir bei dieser Premiere dann auch prompt 35 Hoffmann-Enthusiasten von Tostedt bei Hamburg bis Pfullingen in der Nähe von Ulm mit ihren 18 Fahrzeugen begrüßen. Zusammen mit dem eigenen Fuhrpark der HFS konnten die rund 80 Besucher somit 30 Motorräder bestaunen.
Vom ältesten Modell, einer MF 10-6 aus 1948 mit 98 ccm Sachs-Motor, bis zum Topmodel Gouverneur aus dem Jahr 1954 mit einem im Hause Hoffmann eigenentwickelten Boxermotor war fast die komplette Fahrzeugpalette der Hoffmann-Werke Lintorf ausgestellt.
„Es ist überwältigend, dass wir hier so viele Hoffmann-Fahrzeuge präsentieren können“, resümiert somit auch HFS-Mitglied Frank Groß, der für dieses Treffen sein Grundstück zur Verfügung gestellt hat. „Man darf ja nicht vergessen, dass in Lintorf nur 6 Jahre (1948 bis zur Insolvenz 1954) produziert wurde. Und die meisten der ca. 44 Tausend von Hoffmann in Lizenz gebauten Vespa-Motorroller und 35 Tausend Motorräder sind während oder nach der Wirtschaftswunderzeit abgenutzt und verschrottet worden. Die meist kleinhubigen Konfektionsmotorräder wurden in den 50er und 60er Jahren durch die ersten Kleinwagen (BMW Isetta, Messerschmidt-Kabinenroller) ersetzt und sind somit Opfer der Automobilisierung geworden.“ HFS-Mitglieder Marco Grewe und Lars Wächter ergänzen dann auch: „Laut Kraftfahrtbundesamt waren zum 01.01.2014 nur noch 331 Hoffmänner auf deutschen Straßen zugelassen, geschätzt die gleiche Anzahl steht restauriert in Garagen, die doppelte Anzahl wartet vielleicht noch bei Sammlern auf eine Restaurierung. Auch die sogenannten Scheunenfunde werden immer seltener, im Internet werden jährlich vielleicht mal 5 Stück angeboten.“
Und so freute es den „Rennleiter und Streckenorganisator“ Christoph Wijbenga umso mehr, dass 12 der 331 zugelassenen Fahrzeuge gegen Samstagmittag an einer kurzen Ausfahrt teilgenommen haben: „Nach einem Fahrerbriefing ging es auf die Straße, die Strecke steht schon seit geraumer Zeit fest. Vor ca. einem Jahr haben wir für einen Vortrag über Motorradrennen und Rennstrecken im Rheinland recherchiert. Dabei kam zutage, dass in den 20er Jahren ein deutschlandweit beachtetes Motorradrennen in Königswinter durchgeführt wurde. Der 'Goldene Kranz des Siebengebirges' führte von Königswinter über Heisterbacherrott, Oberpleis, Aegidienberg und Bad Honnef zurück nach Königswinter.
Da liegt es auf der Hand, dass wir diesen Rundkurs wiederbelebt haben. Zumal die Strecke auch für die nur 2,25 PS starken Motorfahrräder geeignet ist. Dementsprechend ging es in gemächlichem Tempo auf die ca. 40 km lange Strecke, stilecht begleitet durch ein Käfer Cabriolet und einen VW T1-Westfalia Campingbus im Originalzustand.“ „Auf der Hoffmann MR 250 mit dem 12 PS starken ILO-Motor hab ich keine Probleme,“ konstatiert HFS-Neuzugang Dirk Schneider, „aber in der Auffahrt zum Petersberg war es sehr nebelig und es roch stark nach Zweitaktöl. Die kleineren Motorräder hatten an der Steigung arg zu kämpfen, letztendlich sind aber alle oben angekommen.“
Der Abstecher auf den Petersberg gehört zwar nicht zur originalen Rennstrecke, aber wir wollen unseren teils weit angereisten Gästen ja auch unser schönes Rheinland zeigen. Und so ging es nach dem obligatorischen Erinnerungsfoto auf dem Petersberg über Dollendorf zurück nach Heisterbacherrott, wo bereits zahlreiche Besucher die ausgestellten Fahrzeuge, Bilder, Prospekte, Zeitungen und Anleitungen anschauen konnten. Am Grill und an der Theke wurden von den „Hoffmann-Schraubern“ zahlreiche Fachgespräche geführt, Tipps und Kniffe wurden am Restaurationsobjekt vorgeführt. Es wurden auch so manche Ersatzteile verkauft, getauscht, verschenkt oder Bezugsquellen des raren „Garagengoldes“ verraten.
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