Aufnahme: 1934
„Der Bote des Herrn“ in Heisterbacherrott.
Nachdem im Jahre 1933 die Uraufführung des Weihespiels stattgefunden hatte, gab es 1934 weitere Aufführungen. So wurde im General-Anzeiger für Bonn und Umgegend am 4. Juni berichtet:
Ein Dorf ehrt seinen Schutzpatron durch ein Weihespiel.
Am gestrigen Sonntag feierte Heisterbacherott, zu dessen Schutzpatron, dem hl. Judas Thaddäus, alljährlich viele tausende Gläubige aus dem Rheintal und von den Höhen des Westerwaldes hinpilgern, die erste diesjährige Aufführung des Laienspiels „Der Bote des Herrn“, das von dem Lehrer des Dorfes, H. J. Willnecker, für Chor und Solisten mit Orchesterbegleitung, Sprechern und Sprechchor, als ein Weihespiel für den Schutzpatron des Dorfes geschrieben wurde.
Ein Podium, mit einem kleinen Aufbau im Hintergrund, zu beiden Seiten Abdeckungen für die Spieler und Chorgruppen war die ganze Bühneneinrichtung. Ganz einfach also, aber gerade in dieser Einfachheit wirkungsvoll. Von den Spielern trugen auch nur der Spieler des hl. Thaddäus sowie einige „Engelchen“ Kostüme, alle andern traten in der Kleidung auf, in der sie heute arbeiten und schaffen. Da war der Bauer, der Arbeiter, der Schmied, der Soldat, der Arbeitslose, die Hausfrau, alles Menschen von heute, Menschen aus unserer Zeit, Menschen, die mit unsern Sorgen, unsern Nöten zu kämpfen haben. Das war ja wohl auch das Wertvollste und zugleich Interessanteste des Spiels, daß der Autor nicht etwa ein Geschehnis aus dem Leben des Heiligen vor vielen Jahrhunderten zum Mittelpunkt seines Spieles machte, sondern den Heiligen als „Boten des Herrn“ in unsere Tage sandte, als Retter aus dem Dunkel der irdischen Sorge, als Wegweiser zu dem, der allein Barmherzigkeit, Gnade und Glückseligkeit in reichem Maße, wenn auch oft erst nach schweren Prüfungen und Schicksalsschlägen, denen zuteil werden läßt, die an ihn glauben und an die, die er gesandt, an seine Boten. So tritt in dem Weihespiel Judas Thaddäus als Bote des Herrn zu unseren Volksgenossen, wenn sie unter der Last des Alltags kleinmütig verzagen wollen und weist ihnen den rechten Weg.
Anerkennenswert ist, wie die Spieler, einfache Leute aus dem Dorf, dieses durchaus nicht leichte Thema zur vollsten Zufriedenheit der Zuschauer lösten. Man merkte, daß Orchester und Sprecher, Sprechchor und Sänger, in diesem Spiel mehr sehen als „Spiel“, daß es ihr eigenes Leben war, das sie einfach und schlicht, so wie sie es als Bauersleute, als Arbeiter und Handwerker lebten, zur Darstellung brachten.
Das Weihespiel, dessen ursprüngliche Fassung — im vorigen Jahre wurde es mehrfach aufgeführt — grundlegend umgestaltet wurde, wird auch an den beiden kommenden Sonntagen des Juni nochmals zur Aufführung gelangen.
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