Aufnahme: 2002
Sonderausstellung 200 Jahre Rübenzucker
Sonderausstellung im Haus Schlesien
R. Noch einen Monat lang zeigt das Museum für schlesische Landeskunde im Haus Schlesien in Königswinter-Heisterbacherrott die Sonderausstellung: Reichlich Süß!
Vor 200 Jahren wurde in Schlesien eine neue wirtschaftliche Epoche begründet: Der Chemiker Franz Carl Achard (1753-1821) begann im Frühjahr 1802 in Kunern aus Rüben im industriellen Maßstab Zucker herzustellen. Damit wurde aus dem Luxusgut Zucker ein Lebensmittel für Jedermann.
Die Geschichte der Rübenzuckerindustrie wurde eingeleitet durch die Experimentierfreude des Berliner Chemikers Andreas Sigismund Marggraf (1709-1782) und dessen Schüler, Mitarbeiter und Nachfolger, Franz Carl Achard (1753-1821), Direktoren der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften in Berlin. Marggrafs Forschungen und Experimente führten zur Entdeckung des Zuckers in der Runkelrübe. Die erste Fabrik von FC. Achard, die im Frühjahr 1802 ihre Produktion aufnahm, wurde zum Impuls für viele weitere Firmengründungen. Begünstigt durch die Schutzpolitik Napoleons im Rahmen der Kontinentalsperre, blühte die Rübenzuckerindustrie auf dem europäischen Festland auf und entwickelte sich nach wirtschaftlichen Rückschlägen zu einem der wichtigsten Wirtschaftszweige der Agrarwirtschaft.
In der Sonderausstellung im Haus Schlesien erläutern vielfältige Exponate diese Zusammenhänge. Zu sehen sind großformatige Ansichten der ersten Zuckerfabrik in Schlesien, historisches Ackerbaugerät, Dokumente u.a. zur Situation der Arbeiter im Rübenanbau und in den Fabriken. Anschaulich und verständlich wird die Entwicklung der Rübenzuckerindustrie nachgezeichnet.
Nach den ersten bescheidenen unternehmerischen Anfängen vollzog sich eine technische Entwicklung mit vielen innovativen Erfindungen, auf denen noch heute die modernen Fabrikanlagen fußen. Fotos ehemaliger und gegenwärtiger Zuckerfabriken in Schlesien vermitteln einen Eindruck von deren Entwicklung, Größe und technischem Standard. Einen bedeutenden Beitrag zum Brückenschlag zwischen West und Ost leistet auch die Saatzucht. Hier spielt die weiße schlesische Runkelrübe, die Beta Silesia, eine Schlüsselrolle. Von Achard und seinem Gutsnachbarn Baron von Koppy (1745-1814) wurde der Zuckergehalt dieser Rübensorte durch Selektionsmaßnahmen verbessert. Als "Bete de Silesie" wanderte diese Rübe bereits zur Zeit Napoleons nach Frankreich. Die Koppyschen Zuchterfolge wurden auf der Weltausstellung in Paris 1855 viel beachtet. Auf dem Umweg über Frankreich kehrte diese Rübe dann in die Magdeburger Börde und nach Schlesien zurück. Die heutigen leistungsstarken Zuckerrübensorten lassen sich überwiegend noch auf die Beta Silesia zurückführen.
Höhepunkt der Ausstellung sind exzellente in Schlesien gefertigte Zuckerdosen. Sie sind aus edlen Materialien Silber, Porzellan und Keramik gefertigt und stammen aus dem 18. bis 20.
Jahrhundert. Hier bestätigt sich der hohe Standard der Silberschmiedekunst, Porzellan- und Fayence-Fabriken in Schlesien. Eine Kollektion von Holzmodeln für die Herstellung von Spekulatiusgebäck verweist auf die Tradition des Pfefferkuchengebäcks.
Mit der Ausstellung wird an die gemeinsame deutsch-polnische Tradition in der Rübenzuckerindustrie erinnert. Da Niederschlesien immer noch ein Zentrum der europäischen Rübenzuckerindustrie ist, an dessen Sicherung und Fortsetzung die Wirtschaft beider Staaten ein großes Interesse hat, schlägt die Ausstellung einen Bogen von der Vergangenheit in die Zukunft. Im Anschluss an die Präsentation im Haus Schlesien wird die Ausstellung an zwei weiteren Standorten in Polen gezeigt. Am Standort Kloster Leubus/Lubiaz ist sie Bestandteil der diesjährigen Feierlichkeiten im Landkreis Wohlau/Wolow vom 20. bis 22. September 2002 zu einem bedeutsamen Jubiläum und steht unter der Schirmherrschaft des Woiwoden und Marschalls von Niederschlesien sowie des Deutschen Generalkonsuls in Breslau.
Etwas zu ergänzen?
Kennen Sie abgebildete Personen, das Jahr oder Hintergründe zu diesem Bild? Schicken Sie uns einen Hinweis – wir prüfen ihn und ergänzen das Objekt.