Aufnahme: 2024

Bald neuer Namen für Rektor-Helten-Weg

Der General-Anzeiger berichtete am 23.02.2024

Heisterbacherrotter Pfarrer beging sexuellen Missbrauch
Rektor-Helten-Weg in Heisterbacherrott soll einen neuen Namen erhalten

Von Hansjürgen Melzer

Königswinter. Manche Dinge brauchen in der Katholischen Kirche etwas länger. Das Erzbistum Köln hat in diesem Monat in einem Aufruf in allen Gottesdiensten der Pfarreiengemeinschaft „Königswinter Am Oelberg“ bekanntgegeben, dass Theodor Helten, der zwischen 1931 und 1937 als Rektor in Heisterbacherrott wirkte, „im Jahr 1939 wegen sexuellem Missbrauch an Minderjährigen verurteilt wurde". Die nach ihm benannte Straße in Heisterbacherrott soll nun zügig umbenannt werden.
Bis vor kurzem war Theodor Helten zumindest für die Katholische Kirche und manche Menschen in Heisterbacherrott noch ein Held. Nach 1945 wurde er als für seinen christlichen Glauben im Konzentrationslager umgekommener Katholik verehrt und fand Eingang in das vom Kölner Prälaten Helmut Moll herausgegebene Deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts. In der achten Auflage ist sein Eintrag jetzt jedoch nicht mehr enthalten. Nach Angaben des Erzbistums wurde Helten „im Jahr 1939 wegen sexuellem Missbrauch an Minderjährigen verurteilt". Die Verurteilung des Priesters sei in der NS-Zeit durch das Landgericht Bonn erfolgt, der Fall aber 1960/62 „in einer demokratischen Zeit unter anderen Umständen" noch einmal vor einem Gericht eingehend untersucht und das Urteil durch einen Staatsanwalt als aktuell nachvollziehbar bestätigt worden.
Das Virtuelle Heimatmuseum Heisterbacherrott/Thomasberg schildert ausführlich die Biografie des Geistlichen, der der Gemeinde wesentliche Impulse gegeben habe, nachdem er im März 1931 als Rektoratspfarrer nach Heisterbacherrott gekommen sei. So habe der Priester für regen Zulauf bei der Wallfahrt zur Reliquie des heiligen Judas Thaddäus gesorgt. Auch habe er sich für die Instandsetzung der Nikolauskapelle eingesetzt und sie somit vor dem Verfall, wenn nicht sogar vor dem Abbruch gerettet. 1937 sei Helten von der Gestapo verhaftet und für 18 Monate in Königswinter in sogenannte „Schutzhaft" genommen worden. Nachdem er für eine Nacht noch einmal nach Heisterbacherrott zurückgekommen sei, sei er in der darauffolgenden Zeit in der Wandernden Kirche eingesetzt worden, einer Sonderseelsorge der katholischen Kirche für Geflüchtete und Menschen, die aus anderen Gründen ihre Heimat verlassen mussten. Nach einer erneuten Gefangennahme sei ihm dann 1939 der Prozess gemacht worden. Nach verschiedenen Gefängnisaufenthalten wurde er im Mai 1942 nach Oranienburg bei Berlin ins Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht, wo er laut Sterbeurkunde am 18. Mai 1942 verstarb.
Bei der Bekanntgabe in der Gemeinde wurde auch mitgeteilt, dass sich Betroffene und/oder Zeugen, die im Zusammenhang mit dem sexuellen Missbrauch durch den verstorbenen Priester stehen, bei einer der unabhängigen Ansprechpersonen oder bei der Stabsstelle Intervention melden können. Rückmeldungen soll es bislang jedoch noch nicht gegeben haben.
Markus Hoitz als Leitender Pfarrer im Seelsorgebereich wusste seit einiger Zeit, dass das Erzbistum an der Sache dran war, es habe aber doch bis zum 5. Februar gedauert, bis die Bekanntmachung in der Gemeinde erfolgt sei.  Gleichzeitig sei auch Königswinters Bürgermeister Lutz Wagner informiert worden. Hoitz sieht eine Parallele zum Fall des 1996 verstorbenen früheren Eudenbacher Pfarrers Joseph Weyler, der von 1981 bis 1993 im Oberhau tätig war. Hoitz‘ Vorgänger Udo Maria Schiffers hatte den Fall im Dezember 2011 öffentlich gemacht, nachdem er gebeten worden war, sich an der Therapie und seelsorgerischen Begleitung eines Missbrauchsopfers mitzuwirken. Das nach dem Pfarrer benannte Straßenschild in Eudenbach wurde entfernt. „Im Unterschied zum Fall Weyler gibt es bei Helten aber keine lebenden Personen mehr, die mit der Angelegenheit befasst sein könnten“, sagt Hoitz. Auch habe es in der Gemeinde bisher keine besonderen Reaktionen gegeben.     

Die Stadt Königswinter bestätigte, dass ihr entsprechende Informationen bezüglich des ehemaligen Priesters durch das Generalvikariat des Erzbistums Köln am 5. Februar per E-Mail zu Kenntnis gebracht worden seien.
Bürgermeister Lutz Wagner sei unmittelbar tätig geworden und habe entsprechende Schritte unternommen. „Angesichts der neuen Informationen sind die notwendigen Schritte eingeleitet worden, um diese Straße umzubenennen. Es ist wichtig, dass die Namensgebung von Straßen und Plätzen in unserer Stadt Werte repräsentieren, die mit unserer heutigen Auffassung von Moral und Ethik vereinbar sind“, so der Bürgermeister. Er werde nun den Heimatverein Heisterbacherrott bitten, einen neuen Namen für die Straße vorzuschlagen.

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