Aufnahme: 2013

Zweimal der Nikolaus von Myra

 Die kleinen Unterschiede zwischen den beiden Nikolausbildern
-links Ölgemälde in der Nikolauskapelle-  -rechts Fresko aus dem Dom zu Speyer-.

Im Zusammenhang mit dem Bamberger Dom entschließt sich der Bayrische König Ludwig I. 1843 im Beisein von dem Akademieprofessor Martin Hess und dessen Schüler Johann Schraudolph den Speyer Dom neu ausmalen zu lassen. Professor Hess kamen Zweifel, ob er bedingt seines Alters diesen Arbeiten noch gewachsen sei und schlug vor, diese Arbeiten seinem Schüler Schraudoph zu übertragen.

Die Ausmalung erfolgte dann in der Zeit von 1846 -1853 unter der Regie von Johann Schraudolph. Wer jetzt an der Ausarbeitung dieses Nikolausmotivs in einer Größe von ca. 2,10 x 1,40 m für die Wandkapelle im Nordquerhaus beteiligt war, ist leider nicht bekannt. Franz Hellweger musste aus gesundheitlichen Gründen ausscheiden auch so Johann Nepomuk Kaspar, den Schraudoph unter Vertrag genommen hatte und der mehrere Kartons ausgearbeitet hatte. Die Nikolausdarstellung ist als Bleistiftentwurf auf Karton in der Größe 81x 54 cm als auch in einer Viererfassung in Verbindung mit Johannes dem Täufer, dem Hl. Sebastian und der hl. Barbara als Ölgemälde auf Blech in der Größe von 55 x 39,5 cm  vorhanden. Dieses Öl auf Blechgemälde diente zu Farbstudien für die Fresken in der Wandkapelle des Nordquerhauses.

Der damals in Speyer amtierende Bischof war Nikolaus von Weis. Er sah Kirche, Bischöfe und Papst in ständigem Kampf, den sie zu bestehen hatten, ein Grund, warum er die östliche Wandkapelle des Nordquerhauses unter den Schutz besonderer Heiligen stellte, sie seinem Namenspatron weihte und ihn hier malen ließ.

Wer nun das hiesige Nikolausbild mit dem gleichen Motiv wie in Speyer in Auftrag gegeben, gemalt und wann gemalt worden ist, lässt sich leider nicht mehr genau feststellen. Die Darstellung des hl. Nikolaus von Myra bei dem hiesigen Bild entspricht im Aufbau und in seiner Darstellung dem Originalgemälde, welches unter Schraudolph erstellt wurde.
Abweichungen bestehen in der Form, dass sich auf dem Originalbild des Hl. Nikolaus zwei Kugeln auf dem Buch befinden, die Bischofsmütze mit Edelsteinen besetzt gemalt ist, der mittlere Streifen auf dem Pallium reichlich bestickt ist, die Enden der Stola ein blaues Feld aufweisen und die Fußstrümpfe hell sind.

Bei dem hiesigen Bild fehlen diese beiden Kugeln auf dem Buch. Auf der Bischofsmütze ist  an Stelle von Edelsteinen eine Bestickung gemalt, der mittlere Streifen auf dem bischöflichen Ornat (Pallium) ist in weiß und insgesamt mit 5 Kreuzen versehen. Ebenso in weiß sind die Felder an den Enden der Stola und ein Zipfel im Pallium. Rot sind die Fußstrümpfe.

Nach Vorlage eines Fotos des hiesigen Nikolausbildes bei der Europäischen Stiftung Kaiserdom zu Speyer  wurde dem Förderverein bestätigt, dass hiesiges Bild eindeutig als Motiv aus der  “Malschule Schraudolph“ stammt.

Bis zur Sanierung der Nikolauskapelle 1973 -75 hing es hier in der Kapelle und war zum Schluss sehr beschädigt. Unter Pastor Dr. Anton Ly wurde es aufgearbeitet und in der Sakristei der Wallfahrtkirche St. Judas Thaddäus aufgehängt.  Nach der Sanierung der hiesigen Kapelle konnte es nach Rücksprache mit Herrn Pastor Schiffers 2009 hier wieder aufgehängt werden. 

Das Gemälde entspricht dem Nazarenerstil. Die Nazarener waren eine Künstlergruppe die die mittelalterliche Malkunst in Zusammenhang mit religiösen Bildern wieder beleben wollte.
1842 hatte sich in Düsseldorf ein „Verein zur Verbreitung religiöser Bilder“ gegründet. Um die Kunst religiöser Bilder zu beleben, wurde nach Vorlagen zeitgenössischer Kirchenmaler in einer dafür extra eingerichteten Kupferstecher-Werkstatt entsprechende Stiche angefertigt, die zur Herstellung von Heiligenbildern und Gebetszetteln als Einlagen in Gebetsbüchern benötigt wurden. So ist auch ein Nikolausbild, in der Art wie auf dem hiesigen Bild 1851 an der Düsseldorfer Kunstakademie von der Künstlergruppe gestochen wurde.

Schraudolph hatte an der Kunstakademie in München Malerei studiert. Um seine Aufgabe zur Ausmalung des Speyeres Dom gerecht zu werden, war er mit seinem Bruder Claudius und dem Glasmaler Franz Hellweger über Ravenna, Florenz und Perugia nach Rom gezogen, um hier entsprechende Entwürfe zu zeichnen und sie in seiner Malkunst wiederzugeben.

Von September 2013 bis Februar 2014 ist dieses Fresko aufgezogen auf eine Holzplatte im Zusammenhang mit einer Ausstellung über Johann Baptist Schraudolph im Historischen Museum der Pfalz in Speyer zu sehen. 

Zur Verfügung gestellt von
W. Görres Zum Nikolausbild nach Schraudolph: Hier kicken
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