Aufnahme: 1984
Pfarrer Dr. Ly verabschiedet - Pfarrer Woelki als Nachfolger eingeführt
"17 Jahre lang war der aus China stammende Pfarrer Dr. Anton Ly Seelsorger in der St. Judas Thaddäus-Gemeinde Heisterbacherrott im Siebengebirge. Nun trat er aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand. Den vom Kirchenchor 'Cäcilia' musikalisch umrahmte Abschiedsgottesdienst feierte Pastor Dr. Ly in Konzelebration mit Dechant Franz Padberg und seinem Nachfolger Paul Woelki.
Beim anschließenden Empfang erwies sich das Pfarrheim als zu klein, um alle Teilnehmer zu fassen. Pfarrgemeinderatsvorsitzender Georg Kaiser nannte Pastor Ly einen 'Freund der Pfarrangehörigen', dem es anfangs gar nicht leicht gefallen sei, bei den 'Ledderköpp', wie die Heisterbacherrotter im Volksmund genannt werden, heimisch zu werden. Doch bald sei er mit seinen 'Schäfchen' ein Herz und eine Seele geworden. Sein langes Wirken in der Wallfahrtsgemeinde werde unvergessen bleiben. Als Anerkennung und Dank überreichte Kaiser dem scheidenden Seelsorger namens der Pfarrgemeinde einen Meßkelch.
Das Siebengebirge ist für Pastor Dr. Anton Ly zur zweiten Heimat geworden. Dies ist gar nicht so selbstverständlich, wenn man bedenkt, daß Pfarrer Ly aus China kommt. Er wurde 1917 in der mittelchinesischen Provinz Honan geboren. Nach dem Besuch eines Gymnasiums in der Provinz Honan besuchte er ein von Steyler Padres geleitetes Priesterseminar. Am 4. Adventssonntag 1943 empfing er die Priesterweihe. Bevor sich der Jungpriester seinem Studium widmete, war er zwei Jahre Kaplan in der Stadt Sinyang. 1945 ging er auf die Fu-Jen Universität, studierte Philosophie und westliche Literatur, belegte neben Englisch noch die Wahlfächer Deutsch und Französisch. Er brach aber sein Studium ab, als sich politische Veränderungen in Honan abzeichneten und ging nach Südchina. Hier war er mit Marynoll-Frathers als Lehrer eines Seminars tätig. Als 1949 die rote Volksarmee einmarschierte, mußte er wie alle Katholiken seine Tätigkeit aufgeben und fliehen.
Unter großen Schwierigkeiten kam er nach Rom. Die nächste Station war Spanien. An der Madrider Zentral-Universität nahm er sein abgebrochenes Studium wieder auf, das er dann mit der Promotion zum Dr. phil. abschloß. Zusätzlich studierte er das Fach Sozialwissenschaften bis zum Diplom. Abschließend belegte er noch einige Semester Soziologie.
Auf Anraten seines spanischen Professors ging Anton Ly 1958 nach Deutschland. Er wurde zunächst Hausgeistlicher in einem Altenheim, dann Kaplan in Bad Godesberg und von 1963 bis 1967 Klinikpfarrer in Köln und Bonn. Schließlich schickte ihn Kardinal Frings am 1. Oktober 1967 nach Heisterbacherrott, wo er seither die 1.230 Seelengemeinde St. Judas Thaddäus betreute.
Als Ruhestandsgeistlicher wird er künftig in Thomasberg wohnen und seinen Heisterbacherrottern als guter Nachbar erhalten bleiben. Demnach dürfte auch die vertraute Abkürzung hinter dem Namen des frisch ernannten Pensionärs mit 'in Rufbereitschaft' übersetzt werden.
Die Nachfolge von Pastor Ly trat der seit vier Jahren in der Nachbargemeinde St. Joseph Thomasberg tätige Pfarrer Paul Woelki an. Beim Einführungsgottesdienst erklärte Dechant Franz Padberg, daß nach Rheinbreitbach, Rhöndorf und Niederdollendorf nun auch Heisterbacherrott keinen eigenen Pastor mehr habe. Schuld daran sei der große Priestermangel. Er bat die Gemeinde, mit ihrem neuen Seelsorger zusammenzuarbeiten, denn als mündiges Glied der Kirche trage jeder Mitverantwortung."
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