Votivtafeln am Judas Thaddäusbild in der Wallfahrtskirche Heisterbacherrott
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Aufnahme: 1936

Votivtafeln am Judas Thaddäusbild in der Wallfahrtskirche Heisterbacherrott

Leider wurden beim Umbau der Kirche 1965 alle Votivtafeln entfernt. Eine Gedenktafel in der Judas Thaddäuskapelle erinnert allgemein an alle Gedenktafeln. 

Text der Urkunde über die Echtheit eines Partikel von den Gebeinen des hl. Apostels Thaddäus

                                           Gustav Joseph Waffelaert S.T.D. 

                     durch Gottes Erbarmen und des hl. Apostolischen Stuhles Gnade

                                                  Bischof von Brügge.

        Vorliegendes Schreiben geben wir den Lesern bekannt und bezeugen, dass in der kupfernen, runden, versilberten und an der Vorderseite mit einem runden Glas verschlossenen Kapsel, die mit einem roten Seidenfaden gebunden, und der in rotem Siegellack unser Siegel eingedrückt ist, eine Partikel von den Gebeinen des hl. Apostels Thaddäüs eingeschlossen ist.
       Wir haben sie nach den Vorschriften des Tridentinischen Konzils geprüft und geben die Erlaubnis, sie in den Kapellen und jeder beliebigen Kirche der Diözese Brügge den Gläubigen zur Verehrung aufzustellen und auszusetzen. Zum Zeugnis dessen beauftragen wir unseren unterzeichneten Sekretär, vorliegende Urkunde, die mit unserer Unterschrift und unserem Siegel versehen ist, auszufertigen.

                   Gegeben zu Brügge am 11. Juni im Jahre des Heils 1902.

                                           (Unterschrift unleserlich).

                   Im Auftrage des hochwürdigsten Herrn Bischofs von Brügge.

                               Gez. Leo A. Asselos, Reliquienhüter. –


Die Entwicklung der Wallfahrt
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In dem Buch „In Bonn katholisch sein“ herausgegeben 1989 vom Katholischen Bildungswerk Bonn findet man einen unter der Überschrift „ Man kann auch in Godesberg beten“ ausführlichen Bericht  „Bonn und die Thaddäus-Wallfahrt Heisterbacherrott“ geschrieben von Markus Welz.
Welz beschreibt in diesem Bericht unter anderem die allgemeine Judas-Thaddäus Verehrung und den Anlass, gerade ihn um Fürsprache zu bitten.

Speziell auf Heisterbacherrott bezogen ist es einem glücklichen Umstand zu verdanken, dass man Judas Thaddäus als Patron der hiesigen Kirche und damit auch als Nothelfer in aussichtlosen Situationen wählte.

Als etwa um1870 der Gedanke aufkam, hier eine neue Kirche zu bauen, fiel das genau in die Zeit, in der der Glaubenskampf gegen die katholische Kirche (1815 – 1890) geführt wurde. Viele Hürden mussten vor dem Bau genommen werden, im Grunde ein schier aussichtloses Unternehmen für diesen kleinen Ort.

Man hatte zwar 1877 einen Kirchenbaufond gegründet, aber den Anlass, Judas Thaddäus als Patron zu wählen, gab Rektor Theodor Schiffers aus Aachen. Er spendete 3000,- Mark und versprach weitere 6000,- Mark für Lesemessen mit der Bedingung, dass man als Patron den Heiligen Judas Thaddäus wählen solle, denn nur er könne in einer solchen aussichtslosen Situationen wie hier helfen.

Das Angebot wurde dankend angenommen und am 11. November 1881 verkündete Pfarrer Simar aus Niederdollendorf die Wahl des neuen Patrons.

Mit weiteren Spenden, Sammlungen und einer Hauskollekte im Erzbistum konnte dann die Kirche fertig gestellt und 1892 eingeweiht werden. Kreuzwegstationsbilder wurden 1892 von Würselen–Euchem übernommen und das Bild des Pfarrpatrons stiftete 1895/96 Pfarrer Simar.

Durch naturelle als auch durch Geldspenden konnte die Kirche weiter ausgestaltet werden.

Erst 1911 konnte der damalige Rektor Rudolf Schmidt durch den Bischof von Brügge, Gustav Joseph Wallelfrath eine Thaddäus-Reliquie mit einer Echtheitsbestätigung erwerben. Datiert war diese auf den 11. Juni 1911. Diese wurde wiederum bestätigt am 18. November 1911 durch den Kölner Generalvikar.

Wie sich die Wallfahrt von da an hier weiter entwickelte, ist leider nicht bekannt.

Bekannt ist nur, dass eine Frau Gertrud Finette aus Dankbarkeit 1921 einen Pilgergang für die Genesung ihres Mannes zu Fuß von Bad Godesberg nach hier machte. Er war von einer doppelten Lungenentzündung geheilt worden.

Durch ihre Bestrebungen, Organisationstalent und durch Mundpropaganda wurde bei späteren Pilgergängen nach Heisterbacherrott der Kreis ihrer Mitpilger immer größer. Mitgegebene Fürbitten wurden von ihr im Gottesdienst vorgetragen.

Mit dem neuen Pfarrgeistlichen Theodor Helten, hier tätig 1931-1937, erfolgte der eigentliche Aufschwung, denn er setzte sich für die Entwicklung der Wallfahrt ein und baute sie weiter aus. Die Wallfahrt nahm unter Rektor Helten feste Formen an.

Die Kerngruppe aus Bad Godesberg kam jetzt jeden ersten Mittwoch im Monat. Es entstanden im Godesberger Raum weitere Pilgerkreise, so in Dottendorf, Friesdorf, Muffendorf, Plittersdorf, Rüngsdorf und Mehlem.

Binnen weniger Jahre nahm die Wallfahrt einen enormen Aufschwung.

Von Godesberg aus traf man sich an der Rheinfähre, es erfolgte nach dem Übersetzen mit der Fähre ein zwangloses Wandern bis zum Ortsausgang von Oberdollendorf. Von hier ging es in Viererreihen Richtung Heisterbacherrott, in der Mitte ein Mann mit Zeigerstab, ganz nach dem Vorbild einer traditionellen Fußwallfahrt.

Im Bekanntenkreis von Frau Finette bildeten sich weitere Thaddäus Verehrergruppen, die separat anreisten so unter anderem aus Brühl und Siegburg.

Ein weiterer Aufschwung erfolgte durch den Kaplan Karl Gustav Roth von St. Joseph in Bonn Nord, der eine Bonner Gruppe von 1931 -1948 anführte. Sie kamen von Bonn bis Oberdollendorf mit der Straßenbahn.

Rektor Helten bat ihn in seiner Zeit des Öfteren um Mithilfe. Kaplan Roth hielt auch mehrfach Pilgerandachten. Während des Jahres über zählte Roth 500 bis 700 Teilnehmer. Am Bonner Pilgertag zum Judas Thaddäusfest am 24.Oktober 1934 sollen es 1400 Pilger gewesen sein.

Nach Rektor Heltens Verhaftung im Jahr 1937 verzeichnete man kurzzeitig einen leichten Rückgang.

Doch in den folgenden Kriegsjahren stiegen die Besucherzahlen wieder an. Trotz der Schwierigkeiten, die man den Pilgern machte, (die Pilger durften nicht in Prozessionen kommen,) kamen Pilgergruppen bis zu 600 Personen. Bis zu 1200 Pilger konnten in einer Andacht sein.

Nach dem Tode von Frau Finette 1943. ging die Zahl der Pilger aus dem Godesberger Raum zurück.

Das Kriegsende 1945 brachte in der Wallfahrt keine wesentlichen Änderungen. Die Festoktav wurde wie zuvor Ende Oktober gefeiert.

War Rektor Helten noch auf die Hilfe von Geistlichen der Pilgergruppen angewiesen, wurden von 1953 bis etwa 1976 alljährlich zur Oktavzeit die Ordensgeistliche aus Klöster angefordert wie Benediktiner, Spiritaner, Redemptoristen, Dominikaner, Vinzentiner und Minoriten.

Auch in den folgenden Jahren hielt die von Rektor Helten aufgebaute Wallfahrt weiter an.

An Hand der ausgeben Andachtsbildchen konnte man in etwa die Anzahl der Oktavpilger feststellen. So waren es 1952 am Festtag 2700, 1953  3000 bis 5000 und 1956 sogar 7000 Pilger.

Durch Versand von Wallfahrtsplakaten an Pfarrämter konnte der Zuwachs an Besucher 1957 gesteigert werden.

In dem kleinen Ort profitierte auch die Geschäftswelt und Gastronomie durch die Wallfahrt.
In der Presse war 1959 zu u.a. lesen:.... "Gasthöfe, Geschäfte und alle, die für das leibliche Wohl der Pilger zu sorgen hatten, waren mit dem Besuch vollauf zufrieden.
Allein am Festtag 1959 waren es 20 und 1946 sogar 46 Autobusse, die den kleinen Ort im Siebengebirge an drei Wochentagen anfuhren."

1977 schätzt die Pfarrchronik 25 000 Pilger während der Oktav.

Statt der früheren Godesberger Wallfahrer sind es in den späteren Jahren die Besucher aus dem Vorgebirgsraum wie Brühl und Hürth.

Den damaligen Pfarrern Dr. Ly stand Pater Otten vom Provinzialat des Herz-Jesus Orden und bei Pastor Woelki Pater Otten und Pastor Guido Assmann zur Seite.

Auch heute in der schnelllebigen, nicht mehr so religiösen Zeit wird der Wallfahrtsort immer ein Zufluchtsort für gläubige Christen bleiben, wenn auch nicht mehr so stark wie in den Vorkriegs –Kriegs – und Nachkriegsjahren.

Frau Gertrud Finette


Bild zur Verfügung gestellt: Monika Finette

Zur Verfügung gestellt von
Johannes Kurenbach
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Katholische Kirche Heisterbacherrott
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