Grundsteinlegung zur neuen Kirche St. Judas Thaddäus

Aufnahme: 1890

Grundsteinlegung zur neuen Kirche St. Judas Thaddäus

Nach der Grundsteinlegung am 26. Oktober 1890 wurde im "Echo des Siebengebirges" darüber berichtet.

Abschrift:
Heisterbacherrott, 27. Oct. Der gestrige Sonntag war für das Dorf Heisterbacherrott ein Freudentag; er brachte ihm das sichere Unterpfand für die Erfüllung eines lange Jahre gehegten, heiß erstrebten Herzenswunsches. Jetzt endlich sieht die Gemeinde die Zeit nicht mehr fern, in der sie ein würdiges Gotteshaus ihr eigen nennen darf, zu welchem gestern der Grundstein gelegt wurde. Ein wirklicher Nothstand geht damit seinem Ende entgegen, denn dem Dorfe stand bisheran nur eine ganz kleine, ärmlich ausgestattete Kapelle zur Verfügung, die nur für einen kleinen Bruchtheil der Bewohner Raum bot; die überwiegende Mehrzahl mußte fast eine Stunde weit wandern, ehe sie ihre Pfarrkirche zu Niederdollendorf erreichte. Jetzt wird es bald anders, wird besser werden. Diese freudige Gewißheit erfüllte das Herz der ganzen Gemeinde mit hoher Befriedigung, sie drückte sich aus in dem vielfachen Schmuck, der dem Auge bei einem Gang durch den Ort allenthalben entgegen trat. Wo es anging, waren Fahnen und Fähnchen, Guirlanden und Kränze, Triumphbögen und passende Inschriften angebracht. Mit dem äußeren Schmuck harmonirte die gehobene Stimmung, die bei den Bewohnern zum Ausdruck kam. Jung und Alt war auf den Beinen, um dieser feierlichen Handlung beizuwohnen. Auch viele Auswärtige, von Ober- und Niederdollendorf, von Oberpleis, Oberkassel, Königswinter hatten sich dazu eingefunden. So waren zwei auswärtige Gesangvereine, die „Cäcilia“ mit dem Knabenchor von Königswinter und der Oberdollendorfer Kirchenchor zur Stelle, die in Verbindung mit dem Gesangverein von Heisterbacherrott und einem Musikcorps der Grundsteinlegung erhöhte Feierlichkeit verliehen. Auch die Elemente zeigten sich dem Feste günstig. Obschon Vormittags fast anhaltende Regenschauer niedergingen, fiel Nachmittags nicht ein Tröpfchen zur Erde.

Gegen 3 Uhr sammelten sich die Festgenossen an der alten Kapelle, um sich von hier aus in geordnetem Zuge zur Rectorswohnung zu begeben, wo die Unterzeichnung der in den Grundstein zu legenden Urkunde stattfand. Hierauf bewegte sich der Zug, in den nunmehr eine Anzahl geistlicher Herren, sowie Herr Bürgermeister Schmitz aus Oberkassel eingetreten waren, zum Bauplatz. Der Grundstein wurde ihm vorangetragen. Auf der Baustelle nahm Herr Dechant Samans die feierliche Einweihung und Legung des Grundsteines vor, nachdem er vorher die betreffende Urkunde laut verlesen hatte.

Dieselbe hat folgenden Wortlaut. „Im Jahre des Heiles 1890, unter der Regierung des Papstes Leo XIII., des deutschen Kaisers und Königs von Preußen Wilhelm II. des Erzbischofs von Köln Philippus wurde am 26. Okt., Nachmittags halb 3 Uhr die feierliche Einweihung und Legung des Grundsteines der neuen Kirche in Heisterbacherrott, der Filiale von Niederdollendorf, die seit 1866 einen eigenen Rektor hat und gegenwärtig 500 Einwohner zählt, von Herrn Dechant Samans mit Erlaubniß der Erzbischöflichen Behörde vorgenommen. Die neue Kirche wird nach dem Plane des Herrn Baumeisters F. Schmitz, des jetzigen Dombaumeisters in Straßburg, von den Herren Architekten Rose und Knauth in Köln gebaut. Die Kosten werden bestritten aus freiwilligen Beiträgen, die seit vielen Jahren gesammelt wurden, worunter ein großartiges Geschenk von 10.000 M, das von einem unbekannten, hochherzigen Wohlthäter durch Vermittlung der Erzbischöflichen Behörde in Köln mit Neujahr 1890 gegeben wurde, mit besonderem Dank hervorzuheben ist. Obwohl noch ein Dritttheil der Bausumme fehlt, wurde der Bau wegen der Armseligkeit der alten Kapelle begonnen im Vertrauen auf Gottes Beistand und die weitere Mithülfe christlicher Wohlthäter. Möge es gelingen den Bau der Kirche bald glücklich zu vollenden.“

Nach Verlöthung der die Urkunde umfangenden Büchse und nach Einschließung der letztern in den Grundstein richtete Herr Dechant Samans an die den ganzen Bauplatz dicht füllende Versammlung eine warme Ansprache, in welcher er zunächst die kirchliche Bedeutung des Grundsteines in anziehender Weise erklärte, dann der langen Zeit des Nothstandes in der Gemeinde, ihres Hoffens und Harrens gedachte und schließlich die Pfarrgemeinde aufforderte, nun, da das schöne Ziel erreicht sei, nie des Dankes zu vergessen, den sie dem Vater im Himmel, dem Spender alles Guten, schuldig sei. Diesen Dank möge die Gemeinde auch dadurch ausdrücken, daß sie recht fest und brüderlich zusammen stehe in Freude und Leid; der Starke möge den Schwachen in christlicher Liebe aufrichten, der Unglückliche möge in der Gemeinde Trost und Hülfe finden, dann werde der Segen des Himmels, der heute zur glücklichen Vollendung des Kirchenbaues erfleht worden sei, auch auf der ganzen Gemeinde ruhen.

Während der Vornahme der mit der Weihe und Legung des Grundsteines verbundenen Ceremonien hatten die Gesangvereine abwechselnd passende Lieder und Choräle zum Vortrage gebracht.

Nach Schluß der officiellen Feier begann im Saale der Gastwirthschaft Lichtenberg ein Vocal- und Instrumental-Concert. Abends redeten Raketen und bengalische Flammen von dem freudigen Ereignisse. Es sei hier noch erwähnt, daß die projectirte Kirche 22,70 Meter lang und 12 Meter breit werden wird. 800 Personen sollen in derselben Platz finden können.

Quelle
Echo des Siebengebirges 25./29. Okt. 1890 (im Archiv der Universitäts- und Landesbibliothek Bonn)
Zur Verfügung gestellt von
Clemens Bröhl
Räume & Galerien
Katholische Kirche Heisterbacherrott
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