Aufnahme: 1999

Die neue Klais-Orgel in St. Joseph Königswinter-Thomasberg

Der lange Weg zur neuen Orgel

Um das Vorhaben und die Verwirklichung der Orgelerneuerung für unsere Pfarrkirche Sankt Joseph in Thomasberg zu beschreiben, sei ein kurzer Blick auf deren verhältnismäßig junge Geschichte gestattet:
Unsere Pfarrkirche wurde in den Jahren 1949 und 1950 als kleine Kirche unter enormen persönlichen und finanziellen Opfern der Thomasberger Bürger erstellt. Als die neue Kirche ab März 1950 zu Gottesdiensten genutzt werden konnte, war jedoch an eine Orgel aus finanziellen Gründen noch nicht zu denken. Es zeigte sich bald, daß das kleine Bauwerk Kirche den Anforderungen der damaligen ,,Rektoratsgemeinde“. nicht mehr genügte. Im Jahre 1955 zählte man 1233 Gemeindemitglieder, und 1960 waren es knapp 1400. Heute wohnen 2206 Katholiken in Thomasberg.

Erweiterung der Kirche und Kauf der ersten Orgel

So begann man Anfang der sechziger Jahre mit der Planung und 1966 mit der Ausführung des Um- und Erweiterungsbaus der Kirche. Dadurch gewann sie 8 Meter an Länge und 3 Meter an Breite. Jetzt musste endlich auch eine Orgel angeschafft werden. Die neue große Kirche mit rund 30 Metern Länge, einer Fläche von rund 500 Quadratmetern und einem Volumen von 4752 Kubikmetern forderte auch eine entsprechende Orgel. Jedoch - woher die Gelder für ein solches Instrument nehmen? Wie könnte seine Finanzierung ermöglicht werden? Die Erweiterung der Kirche hatte mehr als eine halbe Million Mark gekostet. Der Neubau des Pfarrheims war 1964 begonnen und noch nicht abgewickelt. Hierfür waren auch entsprechende Zuschüsse geflossen, jedoch für eine Orgel wurde jeglicher Zuschuss verweigert. Nach vielen Überlegungen ging man auf ein preiswertes Angebot einer Aachener Orgelbaufirma ein. Dieses Instrument mit 17 Registern wurde 1967 in die vergrößerte Kirche zu einem Preis von 59.700,- DM eingebaut, und man glaubte, nun einen preiswerten und auch dauerhaft guten Klangkörper zu besitzen. Schon bald aber sollte sich zeigen, daß dies nicht der Fall war.


Gravierende Mängel der ersten Orgel

Ungefähr 15 Jahre später stellten sich nämlich schon Mängel hinsichtlich der Bespielbarkeit und des Materials der Orgel heraus, die von Jahr zu Jahr gravierender wurden. Der Kirchenvorstand war gezwungen, sich mit der Angelegenheit zu befassen, und so heißt es im Protokoll vom 2. Januar 1984: ,,Der KV beschließt, das Problem, Orgel' in Angriff zu nehmen. Ein Gutachten über den Zustand der vorhandenen Orgel soll eingeholt und notwendige Schritte sollen anschließend festgelegt werden." Es ergab sich dann die generelle Frage: Bau einer neuen oder Reparatur der vorhandenen Orgel? Von  Fachleuten wurde von einer Reparatur jedoch schon damals abgeraten.

Plan einer Orgelerneuerung

Nachdem 1985 ein Mitglied der Pfarrgemeinde einen Betrag von 10.000,- DM für die Anschaffung einer neuen Orgel gespendet hatte, meinte man, daß damit das gezielte Ansparen für die Orgelerneuerung beginnen könne. Es sollten aber vor einem Orgelbauvertrag noch viele Jahre mit viel Wenn und Aber in den folgenden Kirchenvorstandssitzungen stehen. Unter dem Datum 4. Januar 1985 heißt es im Protokollbuch: ,,Der KV befasst sich erneut mit der nicht mehr reparierbaren Orgel unserer Kirche und spricht sich - wohl wissend, was auf die Kirchengemeinde zukommt - für eine grundlegende Änderung aus...“

Vorrangige Kirchenrenovierung

Zur gleichen Zeit stellte sich heraus, daß die Kirche generell renoviert werden musste. Die Bauabteilung des Erzbistums Köln riet nach erfolgter Prüfung dringend zur Sanierung von Dach und Wänden. Hierfür wurde gleichzeitig eine erhebliche finanzielle Eigenbeteiligung der Kirchengemeinde gefordert. Dies stellte sie vor zusätzliche finanzielle Probleme.1987 wurde dann mit der umfangreichen Renovierung der Kirche begonnen, die sich noch über das Jahr 1988 ausdehnte. Dieser Tatbestand bedeutete für das Orgelprojekt das vorläufige Aus.

Bisheriger Orgel-Wartungsvertrag gekündigt

Im September 1991 löste die mit der Wartung der Orgel beauftragte Firma ihren Wartungsvertrag mit der Kirchengemeinde auf und begründete dies detailliert mit der ,, Unmöglichkeit fachgerechter Wartungsarbeiten an der Orgel". Sie schlug vor, einen neutralen Orgelsachverständigen hinzuzuziehen, um zu einer Generallösung zu kommen. Daraufhin beschloss der Kirchenvorstand, das Orgelbauprojekt erneut auszuschreiben und fünf Orgelbaufirmen um Angebote zu bitten. Der Orgelbausachverständige des Erzbistums riet von einer Reparatur der Orgel entschieden ab und empfahl, zwei weitere Preisangebote für eine neue Orgel in der Größenordnung von 18 bis 21 Registern einzuholen.

Finanzierungkonzept  für eine neue Orgel mit 18 Registern

Unsere angesparten Eigenmittel aus Kollekten und Spenden wurden mit zukünftigen, bis zur Orgellieferung in zwei bis drei Jahren noch zu erwartenden Ansparungen und Spenden hochgerechnet. Ein in Aussicht gestellter Zuschuss des Erzbistums für eine neue Orgel sorgte für weiteren Optimismus, und so stellten wir im Januar 1994 an das Generalvikariat Köln den entsprechenden Antrag auf Genehmigung des Baus eines neuen Instruments mit 18 Registern. Für den ausgewiesenen Fehlbetrag in unserem Finanzierungsplan beantragten wir gleichzeitig ein zinsgünstiges Darlehen beim Erzbistum.

Dreifaches Genehmigungsverfahren

Daraufhin erhielten wir vom Erzbistum Köln eine Vorplanungsgenehmigung" mit einigen noch zu erfüllenden Auflagen. Im Mai 1995 wurde der Kirchengemeinde endlich die ,,Durchführungsgenehmigung" für den Bau einer neuen Orgel bis zur Höhe der anerkannten Kosten und der gesicherten Finanzierung von 500.000,- DM erteilt. Nun konnte der entsprechende Vertrag mit der Orgelbaufirma Klais, für die wir uns entschieden hatten, geschlossen werden. Dieser wiederum wurde erst nach weiterer Genehmigung durch das Erzbistum wirksam.

Vielerlei Aktivitäten

Man sieht also, wie lang ein Weg von der Planung bis zur Genehmigung einer neuen Orgel sein kann. Zwölf Jahre lang wurde gespendet und gespart, um eine Finanzierung zu ermöglichen, die vom Erzbistum Köln genehmigt wurde und den Orgelbau sicherstellte. Der Kirchenvorstand hat es sich mit der Entscheidung für den Bau einer neuen Orgel nicht leicht gemacht: In den letzten 10 Jahren stand dieses Thema 26 mal auf der Tagesordnung seiner Sitzungen. Sehr viel wurde über das Für und Wider, das Ja und Nein zu einer Orgelanschaffung diskutiert und beraten.

Die Spendefreudigkeit der Vielen, die sich unserem Orgelbauprojekt verbunden zeigten, war sehr beeindruckend. Sie können an dieser Steile unmöglich alle genannt werden: Neben einzelnen Gemeindemitgliedern beteiligten sich - auch bei Pfarrfesten zugunsten der Orgel - die verschiedensten Gruppierungen des Ortes wie Pfarrjugend, Frauengemeinschaft, Kirchenchor, Messdiener, Pfadfinder, die Dorfgemeinschaft Steinringen mit ihren ,,Domfesten“ sowie die beiden ortsansässigen Banken und die hiesigen Vereine wie Feuerwehr, Tambourcorps, Strücher KG, Gesangverein, usw. usw.

Alle diese echten Bemühungen haben die Mitglieder des Kirchenvorstandes in dem Vorhaben Orgelbau immer wieder bestärkt. Die Aktivitäten zugunsten der Orgel wirkten sich auf die besagte 1993 erstellte ,,Hochrechnung der Ansparungen bis zur Orgellieferung" so günstig aus, daß 1996 - wie ursprünglich empfohlen - die Anschaffung drei zusätzlicher Register erwogen wurde.

Der damals gerade ernannte Orgelsachverständige des Erzbistums, Herr Kantor Adolf Fichter, Siegburg, wurde zur Beurteilung der Disposition der Orgel unter Berücksichtigung unseres Kirchenraumes um eine gutachtliche Stellungnahme gebeten und dazu zu einer Sitzung des Kirchenvorstandes eingeladen. Vor dem Gremium plädierte er entschieden für die Ergänzung der Registerzahl. So vermerkt das Protokoll vom 10. Juni 1996: ,,Der Orgelsachverständige des Erzbistums, Herr Fichter, stellt die Entwicklung des Orgelkonzeptes sowie das gemeinsam mit unseren Organisten erarbeitete Ergebnis vor. Bezogen auf die, trockene Akustik' unserer Kirche werden in dem Konzept sowohl romantische als auch barocke Elemente zusammengefasst. Herr Fichter spricht sich aus kirchenmusikalischen Gründen wiederholt für eine Orgel mit 21 Registern aus. Der Kirchenvorstand beschließt die vorgeschlagenen 21 Register unter dem Vorbehalt einer durchführbaren Finanzierung.”

Gesamtfinanzierung sichergestellt

Die finanziellen Mittel stellten sich zum Jahresende 1997 wie folgt dar: zweckgebundene und freie Rücklagen insgesamt rund 328.000,- DM; 1996 waren schon 148.550,- DM an die Orgelbaufirma Klais gezahlt worden, so daß an Bargeld für das erweiterte Orgelprojekt rund 476.000,- DM zur Verfügung standen. Mit einem vom Erzbistum 1995 zugesagten Kredit von 110.000,- DM (Laufzeit zehn Jahre) war somit die Gesamtfinanzierung sichergestellt. Aufgrund dessen wurde dann in der Kirchenvorstandssitzung am 17. Dezember 1997 protokolliert: ,,Der KV beschließt einstimmig, die Orgel mit 21 Registern ausstatten zu lassen und einen entsprechenden Antrag nach Köln auf den Weg zu bringen.“ Da es sich um ein weit in die Zukunft weisendes Projekt handelte, hatten wir im Hinblick auf die zu erwartende Vereinigung der beiden Kirchengemeinden St. Joseph und St. Judas Thaddäus den Kirchenvorstand von Heisterbacherrott über unser Vorhaben informiert. Dieser billigte einstimmig das neue Instrument in der geplanten Größe wie auch das diesbezügliche Finanzierungskonzept. So wird auch unsere neue Orgel als ein musikalisches Bindeglied die Vereinigung der beiden Pfarrgemeinden, mit einem guten Akkord unterstützen.

Besondere Aktivitäten des Kirchenchores

Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß sich unser Kirchenchor ideell wie auch finanziell sehr für den Orgelbau engagiert hat: Es wurden in den vergangenen Jahren mehrere Kirchenkonzerte (,Jubilate Deo") veranstaltet und die dabei durch Spenden und Kollekten erzielten Erlöse auf einem eigenen zweckbestimmten Chorkonto für die neue Orgel verbucht. Viele, viele Einzelspenden der Chormitglieder sowie Osterschmuckverkäufe brachten zusätzlich erhebliche Beträge zusammen. So konnte der Chor dem Orgelfonds den Betrag von 56.525,23 DM zur Verfügung stellen. Es sollen aber keinesfalls alle die kleinen, größeren und großen Spenden von Privatpersonen, Gruppen und Vereinen weniger gewürdigt werden. Sie haben ebenso in besonderer Weise dazu beigetragen, dass die für das Projekt erforderlichen Eigenmittel aufgebracht werden konnten.

Baumaßnahmen außerhalb des Orgelprojektes

Es ist schon erstaunlich und erwähnenswert, wie viel auch in heutiger Zeit, die häufig durch wachsende Beziehungslosigkeit gekennzeichnet wird, eine Dorfgemeinschaft, die sich um ein gutes Miteinander bemüht, zuwege bringen kann: Denn obwohl das Orgelbauprojekt sich wie ein roter Faden mit vielen Schwierigkeiten über die vergangenen Jahre hinzog, wurden außer der bereits erwähnten Kirchenrenovierung weitere notwendige Maßnahmen an den kirchlichen Gebäuden durchgeführt, so z.B. die Erneuerung der gesamten Lichtanlage in der Kirche, die Renovierung und Erweiterung des Pfarrheims, ein Anbau für das Pfarrbüro an das Pfarrhaus und die Sanierung des Pfarrheims im zweiten Untergeschoß. Für diese Baumaßnahmen gab das Erzbistum zwar entsprechende Zuschüsse, jedoch wurde auch eine Eigenbeteiligung von insgesamt rund 175.000,- DM gefordert.

Hier erbrachten die Baufachleute des Kirchenvorstandes und andere freiwillige Helfer -  indem sie bei diesen Baumaßnahmen selbst Hand anlegten - persönliche Eigenleistungen von insgesamt mehr als 1000 Arbeitsstunden. Diese wurden der Kirchengemeinde vom Erzbistum Köln voll als Eigenmittel angerechnet. - Schließlich sei noch die grundlegende Renovierung des                 Kath. Kindergartens auf dem Hasensprung einschließlich des Spielplatzgeländes erwähnt. Dabei erbrachten unsere ehren-amtlich tätigen Baufachleute und Helfer 230 exakt aufgezeichnete Arbeitsstunden.

Jedoch nicht nur für unser Orgelprojekt und für kirchliche Baumaßnahmen wurde gespendet und gearbeitet, auch die Anliegen der Weltkirche wurden nicht vernachlässigt: So erreichten die Weihnachtsbasare in den zurückliegenden 17 Jahren zugunsten der Andheri-Hilfe ein stattliches Gesamtergebnis von 586.620,- DM. Außerdem wurden in den vergangenen Jahren für die sozialen Werke Adveniat, Sternsingen, Misereor, Caritas und Priesterhilfe Brasilien rund 454.000,- DM gespendet. Es ergab sich damit ein Gesamtbetrag von 1.070.365,- DM für die Weltkirche. Davon sind allein 97.675,- DM als Spenden und Patenschaften in die Ausbildung von Theologiestudenten in Brasilien geflossen (siehe Diagramm).

Vorbereitung und Abschluss des Orgeleinbaus

Der Orgelbauvertrag über die Erweiterung des Instruments um drei Register wurde durch das Erzbistum Köln im April 1998 genehmigt. Lieferung und Einbau wurden von der Firma Klais für die zweite Jahreshälfte 1998 festgelegt. Dazu musste nun die Orgelempore vorbereitet, das heißt, renoviert und erweitert werden. Hierfür waren statische Berechnungen einzuholen und die Gestaltung der Orgelbühne mit der Orgelbaufirma abzustimmen. Die Umbaukosten konnten zum großen Teil dadurch aufgefangen werden, daß sich auch für diese Arbeiten wieder Fachkräfte und Helfer aus Kirchenvorstand und Gemeinde kostenlos zur Verfügung stellten. Mit großem Fleiß und in fachgerechter und eigenverantwortlicher Tätigkeit haben die Freiwilligen ihre Aufgabe gemeistert. Im Dezember 1998 war es dann endlich soweit: Die Einzelteile des zerlegten ,,Bauwerks Orgel“ wurde von den Monteuren der Bonner Firma unter Mithilfe unserer Baufachleute mit „bauseits“ bereitgestellten Hubstapler auf die renovierte und neu gestaltete Orgelbühne gehoben und dort von den Orgelbauern montiert. Schon jetzt gewann man einen Eindruck von der Majestät des Instruments. Im Januar 1999 erfolgten dann die Intonation und Stimmung. Somit war die Fertigstellung der Orgel bis zum Patrozinium, dem St.Josephs-Tag, gewährleistet; denn dann sollte die Königin der Instrumente erstmalig ihre ganze Klangfülle entfalten.

Nach langem Weg am Ziel

Das hohe Spendenaufkommen und die vielen Aktivitäten zugunsten der neuen Orgel haben ganz entschieden dazu beigetragen, daß das Vorhaben der Orgelerneuerung in so guter Weise gelingen konnte. Dafür darf sicher auch an dieser Stelle ein herzliches Danke gesagt werden! Wir sind zuversichtlich, daß auch die restlichen Verbindlichkeiten durch weitere Spenden getilgt werden können. Es ist zu erwarten, daß auch dieser ,,finanzielle Nachklang- in guter Harmonie zum Bisherigen stehen wird  Es war ein langer Weg vom eingangs beschriebenen , Problem Orgel" bis zur Fertigstellung der neuen formschönen, klanglich edlen und vielfältigen, qualitativ hochwertigen Klais-Orgel in unserer Kirche St. Joseph Thomasberg. Hier wird sie nun in eindrucksvoller, würdiger Weise die Pflege der musica sacra“ unterstützen - zum Lobe Gottes und zur Freude vieler Generationen.

Quelle
Festschrift zur Orgelweihe Festschrift zur Orgelweihe am 21. 3. 1999
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Katholische Kirche Thomasberg
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