Abgebildete Personen
Aufnahme: 1989 (1)
Zug durch die Gemeinde
Anlässlich des 25-jährigen Chorjubiläums am 11.Juni 1989.
Der Beginn des Jubeljahres zum 25jährigen Bestehen unseres Kirchenchores sollte für die ganze Chorfamilie ein echter Festtag werden.
Wochenlang vorher schon hatte der zuständige Ausschuss unter Leitung von Willi Brassel und Willi Willkomm geplant, beraten, verworfen, neu geplant und gewerkelt, um diesen Tag für alle so schön und abwechslungsreich wie möglich zu gestalten. Alle anderen im Chor wussten nur, dass der „Chorsonderzug“ wieder einmal fahren sollte. Aber wohin? Das blieb alles geheim. Einzig der Abfahrtsort und der Zielbahnhof waren bekannt: das Kühlhaus Bellinghausen, in dem die Chorfamilie schon so manches Fest gefeiert hatte.
An den Tagen vorher war das Wetter schön und lockte nach draußen, nur die Wetterkarte und -vorhersage für den Sonntag wollten niemandem so richtig gefallen!
Sonntagmorgen trafen sich alle trotzdem frohgemut, aber mit Schirmen und Regenmänteln bewaffnet, denn es war diesig und der Wind blies ziemlich kalt. Doch das wurde alles ziemlich nebensächlich beim Anblick des „Zuges“: Acht „Waggons“ – bestehend aus Pritschenwagen, ausstaffiert mit Stühlen und bunten Sonnenschirmen. Sogar ein „Schlafwagen“ war mit dabei mit einem richtigen Bauernbett nebst den dazugehörigen Pfühlen.. Der wurde aber schon bald zum Krankenwagen, denn Manfred Speer hatte sich morgens beim „Rangieren“ noch schnell eine Wagenkupplung auf den Fuß fallen lassen und konnte kaum auftreten.
Natürlich durfte man nur mit einem gültigen Fahrausweis in den Zug einsteigen, aber ganz schnell waren alle Wagen voll besetzt und die beiden „Lokomotiven“ (Trecker), vorn gesteuert von unserem Vorsitzenden Franz Bellinghausen und am Ende von Willi Weyler, setzten sich in Bewegung.
Zunächst ging es Richtung Auel, von dort die Dollendorfer Straße hoch bis zum Gut "Drei Eichen" und dann in Steilfahrt auf den Hartenberg. Das Wetter wollte immer noch nicht so recht, aber die Laune der „Reisenden“ wurde dadurch in keiner Weise getrübt.
Am Kapellchen wartete die erste Überraschung: der Festausschuss hatte einen Empfang mit Getränken und Eis (!!!) vorbereitet. Alle griffen, wenn auch mit klappernden Zähnen, kräftig zu. Doch schon nach kurzer Zeit mahnte die Zugschaffnerin Inge Effelsberg zur Weiterfahrt.
Es ging weiter zum Grillplatz in Bockeroth. Hier warteten die nächsten zwei Überraschungen: die Jagdhornbläser, die den Zug schon am Kühlhaus verabschiedet hatten, waren uns hierher vorausgeeilt und empfingen uns im Wald mit einem Musikstück. Das klang wunderschön und passte so gut hierher. Die Begeisterung aller Zuhörer und ihr Applaus waren dementsprechend. Anschließend hieß es: zufassen zum Brunch. Es war einfach toll, was die Gruppe, die ihn vorbereitet hatte, alles herangeschleppt hatte. Da blieb kein Wunsch offen, jeder konnte so viel essen und trinken wie in ihn hineinpasste! Der arme „Zug“! Würde er diese Gewichtsvermehrung verkraften können, ohne dass die Reifen platzten? – Nein, nein, es ging alles gut, denn das Erzählen und das Singen unterwegs kosteten ja auch wieder einige Kalorien!
Auf der Weiterfahrt Richtung Sonderbusch musste der arme Edgar Zens auf seine Wanderschuhe verzichten, sie waren einfach weg, kein Suchen half. Sie fanden sich allerdings später in seinem eigenen Auto!!! - Als wir unter der Autobahn durchfuhren, grüßte uns von oben ein Transparent, das Hannes Christenn und sein Sohn dort unter Lebensgefahr angebracht hatten.
Da der Zug nun auf die recht befahrene Straße Stieldorf – Sonderbusch einbog, brauchten er Polizei-Schutz, denn wir betätigten uns ab sofort als Verkehrshindernis. Die Leute, die uns folgten, folgen mussten, sahen nicht sehr glücklich oder geduldig aus, während die Entgegenkommenden ihren Spaß an unserem außergewöhnlichen „Zug“ und all den fröhlichen Menschen hatten.
An der nächsten Ecke wartete schon wieder eine Überraschung: noch ein Wagen wurde angekoppelt und darauf saß – eine Musikkapelle! So ging es jetzt mit Sang und Klang weiter nach Thomasberg. Trotz der Mittagszeit kamen aus vielen Häusern die Bewohner raus, um uns zuzuwinken.
Inzwischen schien auch die Sonne warm, Mäntel uns Regenschirme waren nicht mehr nötig, im Gegenteil, die Sonnenschirme auf den Wagen durften jetzt ihre Aufgabe erfüllen.
Nachdem wir halb Thomasberg aus der Sonntagsruhe aufgeschreckt hatten, wurde es höchste Zeit, dass wir endlich mal wieder etwas zu essen bekamen! Aber keine Angst, auf dem Hof des Bauamtes warteten schon Kaffee und Kuchen, wieder hergestellt und vorbereitet von fleißigen Chormitgliedern. So gestärkt musste Franz jetzt man ausprobieren, wie wendig und manövrierfähig sein Zug war! Na ja, na ja …
Wieder hieß es : einsteigen und auf zur nächsten Station am „Strücher Dom“. Hier singen wir schon seit Jahren zum Kapellenfest. Die Bewohner von Steinringen hatten nun die nette Idee gehabt, sich heute dafür beim Chor durch einen kleinen Umtrunk zu bedanken. Das freute uns alle ganz besonders, und frohgelaunt ging es danach weiter ins Tal.
Als wir in Hasenboseroth wieder unter der Autobahn durchfahren mussten, hielt der Zug in der Unterführung: die Akustik des Tunnels sollte getestet werden. Aber – lag es nun am Tunnel oder an all den nahrhaften Dingen, die den Tönen keinen Platz ließen – das Lied wollte nicht so recht klingen, hinten auf dem Zug wurde immer ganz anders gesungen als vorne! Also weiter! Auf der Wiese neben der Straße zwischen Auel und Bellinghausen schienen die Kühe das seltsame Gefährt vom Morgen wieder zu erkennen, sie liefen im Galopp neben dem Zug her, bis ein Zaun sie jäh stoppte.
Nun waren wir der Endstation schon ganz nah, schon konnte man es riechen: endlich etwas zu essen! Helmut Reuter und seine Frau Annemarie hatten zwei riesige Pfannen mit einem köstlichen griechischem Fleischgericht zubereitet, dazu gab es auch noch Salat und frische Brötchen.
Annemarie und Helmut Reuter
Aber auch verdursten brauchte niemand: Bier vom Fass, das war bei allen besonders willkommen. Lange saßen wir noch zusammen, bis schließlich alle müde, aber glücklich und zufrieden den Heimweg antraten.
Der Abschluss im Kühlhaus.
Ja, das Jubiläumsjahr hatte besonders schön und verheißungsvoll begonnen.
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