Aufnahme: 2016
Informationsveranstaltung zu Flüchtlingsunterkünften in Thomasberg
Thomasberg (cg). "Tja, wer da seinen Bungalow nebenan gebaut hat, der tut mir leid", raunte ein Thomasberger dem Nachbarn zu. Im voll besetzten Franz-Unterstell-Saal informierten Vertreter der Stadtverwaltung die Bürger zu den geplanten Unterkünften für Asylbewerber im Bereich des "Limperichsberges".
Auch wenn in diesem Jahr anstatt der 960 eingeplanten bisher nur 27 zugewiesene Personen und fünf Neugeborene untergebracht werden mussten, rechnet die Stadtverwaltung in den nächsten Wochen doch wieder mit verstärkten Zuweisungen von Flüchtlingen und bereitet sich entsprechend vor. 521 Flüchtlinge aus 30 Nationen sind derzeit an sechs Standorten und dezentral in Königswinter untergebracht. Weitere Standorte werden geprüft.
Allerdings werden die Planungen dadurch erschwert, dass man nicht abschätzen könne, mit wie vielen Flüchtlingen wann zu rechnen sei, erklärte Bau-Dezernent Theo Krämer.
Für den Standort Thomasberg sind nun ein Neubau mit zwölf Wohnungen, der von einer privaten Investorengruppe "Am Domblick" (hinter dem REWE-Markt) errichtet wird, und eine Wohnanlage mit 34 Einzelcontainern in Leichtbauweise oberhalb der Turnhalle am "Limperichsberg" geplant. Eine ursprünglich geplante dritte Unterkunft "Am Domblick" (hinter dem Getränkemarkt) wird nicht gebaut, da das Grundstück an einen privaten Investor verkauft wurde und der dort ein Mehrfamilienhaus bauen wird.
Die Baugrube für die neue Flüchtlingsunterkunft "Am Domblick" wird bereits ausgehoben. Investor Bruno Röser stellte den geplanten Bau - ein großes Gebäude mit drei Etagen plus Staffelgeschoss - vor. Nach der Fertigstellung Mitte 2017 wird das Gebäude an die Stadt übergeben, die es dann vorwiegend zur Erstunterbringung von Flüchtlingsfamilien nutzen wird. Wenn die Wohnungen in einigen Jahren nicht mehr für Flüchtlinge gebraucht werden, werden sie saniert und als kostengünstiger Wohnraum angeboten. Die im Januar beschlossene Wohnanlage oberhalb der Turnhalle, die flexibel und schnell aufgebaut werden kann, bietet 32 Menschen, alleinstehenden Männern und Frauen sowie Familien Platz.
Die Sorgen etlicher Anwohner, dass zu viele alleinstehende junge Männer dort untergebracht werden und gerade ältere Witwen bei dem Gedanken daran "Bauchschmerzen" hätten, nahm Krämer ernst, betonte aber, dass man sich um eine gute Mischung kümmere und gab zu bedenken: "Die Flüchtlinge haben andere Sorgen als Angst und Schrecken zu verbreiten."
Viele Fragen gab es, etwa zur Sicherheit der Anwohner - Krämer unterstrich seine bisherigen positiven Erfahrungen - nach den Kosten, nach der Bauweise oder Ordnung und Sauberkeit in den Unterkünften, Freizeitangeboten für die Flüchtlinge. Geduldig wurden alle Fragen beantwortet und manche Sorge ausgeräumt. Vereinzelten Aussagen wie "ich fühle mich von der Stadt verarscht" oder "da kommen Menschen, die ohne Berechtigung auf unsere Kosten leben" trat Krämer deutlich entgegen: "Es handelt sich um Menschen und kein Wirtschaftsgut, und wir haben die Aufgabe, für sie Unterkünfte zu besorgen."
Zum Vorwurf, in Thomasberg würden zu viele Flüchtlinge untergebracht, sagte er, es gebe momentan keine Alternative, aber: "Wir wollen niemanden mit zu vielen Flüchtlingen belästigen."
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