Abgebildete Personen
Aufnahme: 1994 (1)
Ortsteil Grengelsbitze und Blauer See („Buhrsch Broch“)
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Die Luftbildaufnahme aus dem Jahre 1994, die von der Fa. Helicolor Luftbild aufgenommen und für die Veröffentlichung im Virtuellen Museum Thomasberg - Heisterbacherrott freigegeben wurde, zeigt den Ortsteil Grengelsbitze. Im Hintergrund sind einige Häuser von Bellinghauserhohn und ein kurzer Abschnitt der Autobahn A3 zu erkennen. Von der später gebauten ICE-Trasse ist auf diesem Foto noch nichts zu sehen. An Grengelsbitze angrenzend fällt der Blick am linken Bildrand auf den Blauen See.
Über den Steinbruchsee am Kleinen Scharfenberg, den heutigen Blauen See an der gleichnamigen Anliegerstraße in der Nähe des Ortsteils Grengelsbitze, ist von den älteren Ur-Thomasbergern so manche interessante Geschichte aus längst vergangener Zeit zu erzählen.
So erinnert sich ein „Betzer Jong", der 1935 in Grengelsbitze geboren wurde und heute (im Jahre 2021) auch noch dort wohnt. Im Datensatz 4479 ist er als kleiner Seppel vor seinem Großelternhaus zu sehen. Schon die Großeltern sowohl väterlicherseits wie auch mütterlicherseits hatten in Grengelsbitze ihr Zuhause gefunden (siehe Datensatz 4480: Großelternhaus Vaterseite / Fachwerkhaus aus dem 19. Jahrhundert und Datensatz 4481: Großelternhaus Mutterseite / Gasthaus von Johann Mohr). Die beiden Großväter (siehe Datensatz 4482: Steinbruchbelegschaft der Fa. Uhrmacher) und auch der Vater waren Steinbrucharbeiter in den verschiedenen Brüchen der Umgebung wie z. B. am Kleinen und Großen Scharfenberg, am Limperichsberg und der Vater am Weilberg bis zur Schließung im Jahre 1942. Die Familie lebte von der Arbeit im Steinbruch und im Nebenerwerb von der Landwirtschaft (siehe Datensatz 4483: Nebenerwerb in der Landwirtschaft) oder wie eine Tante als Schneiderin (siehe Datensatz 4484: Im Nebenerwerb als Schneiderin).
„De Buhrsch Broch", wie der Blaue See von den Bewohnern der direkten Umgebung genannt wurde, erhielt seinen Namen nach den ersten Besitzern des Steinbruchs, den Gebrüdern Baur.
Im Jahr 1900 eröffneten sie diesen Bruch am Kleinen Scharfenberg. Etwas oberhalb am Großen Scharfenberg war sieben Jahre vorher von der Fa. J.G. Adrian schon ein Steinbruch angelegt worden, der im Jahre 1932 wieder geschlossen wurde. Dieser Steinbruch (für Einheimische „de ahle Broch") bestand aus 3 kleineren Brüchen mit Verbindungstunnel und 2 Verladerampen. Diese Tunnel dienten den Einwohnern des Ortsteils Sonderbusch im 2. Weltkrieg als Luftschutzbunker und der Deutschen Wehrmacht in den Jahren 1944/45 als Munitionslager. Die Heisterbacher Talbahn, deren Gleisanlagen bis zum Kleinen Scharfenberg und über eine Abzweigweiche noch weiter bis zum älteren Steinbruch am Großen Scharfenberg führten, transportierte das Steinmaterial bis zum Rhein (siehe Datensatz 4485: Endstation der Heisterbacher Talbahn). In den 1920er Jahren, als der Steinbruch der Gebrüder Baur nach zweimaligem Eigentümerwechsel mittlerweile in den Besitz der Basalt AG Linz übergegangen war, wurde er wieder stillgelegt.
Nach Einstellung des langjährigen Basaltabbaus bildete sich ein tiefer Krater, der sich durch Einlauf unterirdischer Quellen mit Wasser füllte und eine Fläche von ungefähr 1.500 qm bedeckte. Im Jahre 1944, zum Ende des 2. Weltkrieges, wurde der Bruch zum Mittelpunkt des Ortsteils Grengelsbitze. Mit Beginn der 1960er Jahre wurde das von dem Gartenarchitekten Heinrich Raderschall rund um den Steinbruchsee erworbene Gelände einschließlich der vorhandenen Abraumhalden nach und nach in einen gepflegten Park verwandelt. Nach einem erneuten Besitzerwechsel können seit 2003 interessierte Besucher bei Führungen unter der Leitung der Fam. Forster den Landschaftspark besichtigen (siehe Link unten: „Galerie: Blauer See - Im Landschaftspark").
Vor, während und nach dem 2. Weltkrieg war die Umgebung des Bruches für die Kinder und Jugendlichen des Dorfes ein Spiel- und Badeparadies. Oberhalb des Steinbruchs, wo sich heute das Wohnhaus der Parkeigentümer befindet, waren zur Jugendzeit unseres Erzählers schöne Blumen wie z. B. Glocken- und Butterblumen, Margeriten, Schafgarbe, Klee und verschiedene Gräser auf einer Wildwiese zu finden. An der Ecke Weg „Zum Rothberg" / Straße „Am Blauen See" befand sich eine Abraumhalde, die mit jungen Akazien, Brombeersträuchern, Ginster, Farn und Efeu bewachsen war. Von dort führte ein Trampelpfad entlang einer Tannenschonung zur Straße „Am Blauen See". Wo im heutigen Landschaftspark der Pavillon steht, gab es damals inmitten eines Schleedorngehölzes eine einsame Bank für verliebte Paare. Unmittelbar neben dem „Broch" in südlicher Richtung war Abraum zu einer sehr hohen Halde aufgeschüttet worden. Im unteren Bereich wuchsen Brombeersträucher und auf halber Höhe waren Ginster sowie Buschwerk zu finden. Im oberen Teil der Halde standen Akazien, wilde Kirschbäume und ein großer Weidenstrauch. Die Ausläufer dieser Halde, die bis zu den kleinen Wiesen und dem schmalen Waldgürtel entlang der heutigen Straße Am Blauen See reichten, waren zum Steinbruch hin mit Schleedorngebüsch zugewachsen. Die große Viehweide gehörte dem Bauern Raths und wurde daher „Raths Wess" genannt. Sie war im Sommer Blumen- und Spielwiese, im Winter diente sie den Kindern der Umgebung als Rodelwiese.
Im 2. Weltkrieg führte ein Weg über die Wiese bis zum Tunnel, wobei die angrenzende lange Abraumhalde und der Schutzwall am Schießstand einen gewissen Schutz vor anfliegenden Tieffliegern boten. Zwei Soldaten, die bei einem Rohrkrepierer ums Leben kamen, wurden hier beerdigt. Zum Ende des Krieges hin wurde die Viehweide von den U.S.-Panzern als Aufmarschwiese genutzt. Zwischen der langen aufgeschütteten Halde und dem Schutzwall befand sich der Schießstand der SA, der bis kurz vor Kriegsende genutzt wurde. Ab Januar 1945 diente er als Behelfsunterkunft für die Familie des Metzgers Thomas aus Niederdollendorf, nach Kriegsende als Notunterkunft für die Familie Schild aus Kuxenberg. Der Zielscheibenbunker des Schießstandes war in der Zeit von März bis Mai 1945 als Stall für die einzige Kuh im Dorf hergerichtet worden. Sie gehörte der Familie Küster aus Grengelsbitze und war für die kleinen Kinder der Milchlieferant im Beschuss während des Aufenthalts im Tunnel. In der Nähe des Bunkers hatte die Familie Baum aus Niederdollendorf in einem Behelfsheim Unterschlupf gefunden, um sich vor den im Rheintal häufig niedergehenden Bomben zu schützen. Eine kleine Wildblumenwiese über dem Tunnel wurde in der Kriegszeit als Zeltplatz der HJ genutzt. Der Tunnel war ursprünglich das Bindeglied zwischen Grube und Verladerampe der Heisterbacher Talbahn, wobei die geförderten Steine mithilfe von Loren durch den Tunnel transportiert wurden. In den Kriegsjahren, im Besonderen während des Einmarsches der U.S.-Armee, diente er als Luftschutzbunker und Notunterkunft für die Einwohner von Grengelsbitze. Jeder Familie war ein fester Platz im Tunnel zugeteilt. An den beiden Tunnelenden war je eine Schutzsperre als Sichtschutz gegen Tiefflieger angebracht und steinbruchseitig eine Kochstelle eingerichtet worden. Die Wasserversorgung erfolgte entweder durch die Nutzung des Steinbruchwassers oder des frischen Wassers aus dem nahe gelegenen Mattepütz-Quellgebiet, welches mithilfe von Milchkannen herangeschafft werden musste. Heutzutage wird dieses Quellgebiet als „Brunnenanlage Lauterbach" vom Wasserbeschaffungsverband Thomasberg genutzt. Einfache Strohlager auf rohen Brettern waren als Schlafstellen hergerichtet worden, die Beleuchtung im Tunnel wurde durch Petroleum-Stalllaternen sichergestellt. Zur Morgentoilette, zum Geschirrspülen und zum Wäschewaschen begab man sich zum Wasser im Bruch. Als Toilette diente ein Donnerbalken, der sich versteckt hinter der großen Weide befand (siehe Link unten: „Blauer See am Kleinen Scharfenberg").
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