Aufnahme: 1920
Geheimrat Ottmar Strauss
Als Sohn aus zweiter Ehe zwischen dem jüdischen Eisenwarenhändler Emanuel Nathan Strauss und Sara Strauss wird Ottmar Strauss am 19. Mai 1878 in Mühlhausen im Elsass geboren. Nach Erreichen seiner Obersekundarreife meldet er sich mit 17 Jahren freiwillig zum Militärdienst. Nach Abschluss seiner Wehrpflicht, dem Freiwilligendienst wie es im Kaiserreich oft üblich, widmete er sich weiter seiner Ausbildung. Er war anfangs im väterlichen Betrieb tätig. In jungen Jahren lernte er in Köln Bayenthal, in der renommierten Eisenwarenhandlung Nathan Peltzer Wwe., seinen späteren Partner, den katholischen Organistensohn Otto Wolff kennen.
Mit ihm gründete er in Köln die Eisenwarengroßhandlung Otto Wolff in der Wohnung der Mutter. Das nötige Startkapital von 30.000 Mark erhielten sie von Wolffs Mutter. Dank dem kaufmännischen Geschick von Ottmar Strauss kam es in kürzester Zeit zu lukrativen Geschäftsabschlüssen und sie konnten Filialen in Leipzig und Berlin einrichten. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges erwirbt die Firma Beteiligungen in England, Frankreich, Belgien, Italien und Brasilien.
Strauss nimmt im Ersten Weltkrieg an Kämpfen an der Ost- und Westfront teil.
Sein Organisationstalent verhalf ihm schnell im militärischen Verwaltungsdienst zum Aufstieg. Im Kriegsministerium und Reichsmaterialamt, mittlerweile zum geheimen Regierungsrat ernannt, wird er mit der Lieferung von Munition an das verbündete ostmanische Reich, der heutigen Türkei, beauftragt.
Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelt sich die gemeinsame Firma durch Anteilankäufe an bedeutenden Gesellschaften in der Eisen- und Stahlindustrie zu einem Weltunternehmen.
In Folge der Weltwirtschaftskrise, 1929/30, gerät die Firma durch das zusammenbrechende deutsche Wirtschafts- und Finanzsystem in Schwierigkeiten. Als dann Steuernachforderungen des Reiches die Existenz der Firma bedrohte, wird vom Reichswirtschaftsministerium ein Generalbevollmächtigter eingesetzt.
1933 ist Ottmar Strauss als Jude unerwünscht und wird aus der Firma hinausgedrängt. Er emigriert in die Schweiz, verliert sein ganzes Vermögen und stirbt dort verarmt.
Er war in vielen bedeutenden Aufsitzräten der Stahlindustrie und zählte mit zu den wohlhabendsten Bürgern von Köln. Zu seinem Besitzungen gehörten u.a. Haus Heisterbach (1919), welches ursprünglich unter dem historischen Namen “Paffenröttchen“ bekannt war und der Fronhof zu Heisterbacherrott (1924).
Bewirtschaftet wird der Hof von Familie Theo Mechtenberg und nach dessen Tod von Landwirt Scherbarth. Er lässt die Landwirtschaft von dem Hof mit modernen landwirtschaftlichen Maschinen bearbeiten.
Das Betreten des Hofes war ohne Erlaubnis verboten.
Quellenverzeichnis: Dieter Mechlinski „Der Geheime Regierungsrat Ottmar E. Strauss“
Haus Heisterberg um 1905, zu jener Zeit noch im Besitz des Kurators der Bonner Universität Philip Johann Rehfues, dem auch um 1825 der Fronhof gehörte.
Etwas zu ergänzen?
Kennen Sie abgebildete Personen, das Jahr oder Hintergründe zu diesem Bild? Schicken Sie uns einen Hinweis – wir prüfen ihn und ergänzen das Objekt.