Aufnahme: 2005 (ca.)
Zeitzeugengespräch in Heisterbacherrott
KÖNIGSWINTER-HEISTERBACHERROTT. Wie haben die Menschen im Siebengebirge das Kriegsende erlebt? In der Reihe "Zeitzeugengespräche vor Ort" berichteten auf Einladung des Heimatvereins Heisterbacherrott fünf Zeitzeugen, was in jenen Märztagen vor 60 Jahren in ihrer Heimat geschah.
„Ziel der Veranstaltung ist es auch. den jungen Menschen vor Augen zu führen, wie so etwas enden kann - nämlich in der totalen Katastrophe", sagte Hermann Josef Gebertz vom Heimatverein. Ein Anspruch, der angesichts der Tatsache, dass keine Jugendlichen an der Veranstaltung teilnahmen, nur schwer einzulösen ist. Im Mittelpunkt der Erinnerungen der Zeugen, die 1945 durchweg selber noch Kinder oder Jugendliche waren, standen die Tunnel des ehemaligen Basaltsteinbruchs am Limperichsberg.
Als sich Anfang März 1945 durch lauter werdenden Gefechtslärm die Ankunft der Amerikaner ankündigte, suchten hier die Bewohner von Thomasherg, Heisterbacherrott sowie zahlreiche Evakuierte Schutz vor den heranrückenden Truppen. Rund 2000 Menschen, Frauen, Kinder und Greise hausten hier über Wochen in 2,50 Meter breiten Gängen. Der damals 26-jährige Heinz Klein hat seine Erinnerungen in einem Buch mit dem Titel “Der rettende Tunnel“ festgehalten. Es war ein Elend", blickt er zurück.
Das Wasser tropfte von Decken und Wänden, alles war feucht, die Kleinkinder schrieen. Schummrig beleuchtet wurde das Szenario von Kerzenstummeln. „Das muss man erlebt haben, um zu begreifen, was sich da abgespielt hat", berichtete Klein. Ihre Notdurft verichteten die Menschen im Steinbruch, wobei einige Thomasberger durch Granatenbeschuss getötet wurden. Insgesamt aber sind wir sehr verschont geblieben", sagte Klein mit Blick auf den Ortsteil Heisterbacherrott.
Von den umliegenden Höhen hätten die amerikanischen Soldaten gute Sicht gehabt und dank ihrer Ferngläser gut zwischen Zivilisten und Soldaten unterscheiden können, erklärt Klein sich die Tatsache, dass in Heisterbacherrott keine Verluste in der Zivilbevölkerung zu beklagen waren. Insgesamt erwies sich die Angst vor den Amerikanern als unbegründet. Nach den Berichten der Zeugen waren diese fair, freundlich und hilfsbereit. Ihre Ankunft wurde als Befreiung empfunden. Die damals 23-jährige Klara Schonauer erzählt heute noch sichtlich berührt vom deutschstämmigen „Captain Schmidt", der ihr seinen persönlichen Schutz zusicherte und dies einlöste.
Dahingegen überwiegt in den Erinnerungen von Fritz Müller die Angst. Täglich musste er den Schutz des Tunnelsystems verlassen, um das Vieh auf dem Hof der Familie zu versorgen. Auf seinem Gang über die Ölbergstraße wurde der damals 11-Jährige regelmäßig beschossen. Was ich damals ausgestanden habe, kann ich keinem sagen", erinnert sich Müller. Er konnte sich zwar immer mit einem beherzten Sprung in den Graben retten, "aber einmal war ich so fertig, da bin ich einfach liegen geblieben".
An einen toten Wehrmachtssoldaten, der genau vor dem Kriegerdenkmal an der katholischen Pfarrkirche lag, erinnert sich Erich Steffes. Insgesamt starben 19 deutsche Soldaten bei den Kämpfen um die beiden Ortsteile. Die Wehrmacht leistete bis zuletzt Widerstand. Und noch in den letzten Tagen sollte aus den "Bewohnern" des Limperichsbergs eine Volkssturmtruppe aufgestellt werden, erinnert sich Müller.
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