Aufnahme: 1992

Der Große Zapfenstreich

Am 15.05.92 wurde anlässlich des Schützenfestes am Rathaus in Altkönigswinter der "Große Zapfenstreich" vom Tambourcorps und Bläsercorps unseres Musikzuges unter der Leitung von Herbert Schwipper vorgetragen.

Als es anfing dunkel zu werden, zündeten die Schützen ihre Fackeln an und marschierten unter den Klängen unseres Tambourcorps gemeinsam durch die Stadt. Zurückkehrend zum Marktplatz formierte man sich. Alle mit brennenden Fackeln in der Hand. Es gab ein sehr feierliches Bild. Der Dirigent gab das Einsatzzeichen zum "Großen Zapfenstreich". Das Publikum wurde aufgefordert, während der Darbietung keinen Applaus zu geben und äußerste Ruhe zu bewahren. Tatsächlich, es war schon Ruhe nötig für die beeindruckende Darbietung. Alle 60 Musiker waren mit äußerster Konzentration bei der Sache. Die verschiedenen Musikteile, aus denen der Zapfenstreich besteht, wurden sehr gefühlvoll und melodisch vorgetragen. Die Zuhörer dankten es dann auch mit viel Beifall.

Zum besseren Verständnis dieses Musikstückes, das sicher jedem gut bekannt ist, nachstehend einige Erläuterungen zum Großen Zapfenstreich:

Zur Geschichte.
Der Große Zapfenstreich entstand aus der zeremoniellen "Erhöhung" einer normalen Disziplin im Ablauf des militärischen Tagesdienstes. Bis in das 20. Jahrhundert hinein wurde dieser Tagesdienst, wenn auch zunehmend eingeschränkt, für die berittenen Truppen durch
Signale und für die Fußtruppen durch Kurzformen von Spielstücken mit Signalwirkung für Pfeifer und Trommler, später auch durch Horn-Signale gelenkt. Das Signal "Zapfenstreich", früher auch als "Nachtwache" französisch als "Retraite" bezeichnet, wurde durch das "Locken zum Zapfenstreich" angekündigt, und zwar durch Blasen oder Schlagen dieses Vor-Signals eine Viertelstunde vor dem eigentlichen Zapfenstreich. Die festliche Erhöhung einer normalen Tagesdisziplin und deren Verlagerung aus dem internen Bereich der Unterkünfte in die Öffentlichkeit erforderte einen besonderen militärischen Rahmen. Dieser war überall dort besonders repräsentativ, wo durch ein Feldlager in festen Städten oder in Residenzen mehrere Waffengattungen das Bild und den militärmusikalischen Rahmen bestimmen konnten.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war es in vielen Armeen üblich, dass die Truppe nach dem Wecken (Reveille) und nach dem Zapfenstreich (Retraite) zu einem Gebet antrat.

Es ist bemerkenswert, dass die Gestaltung und der Gesamtrahmen eines Großen Zapfenstreiches bis zum Ende des II. Weltkrieges ohne bindende Vorschrift blieb. In den Standort-Dienstvorschriften waren lediglich diejenigen nationalen und militärischen Feiertage genannt, die mit dem Großen Zapfenstreich gekrönt werden sollten.

Erst in der Bundeswehr erfolgte durch Festlegung des Rahmens (Militärisches Geleit, Fackelträger und Kommandos) und des Aufstellungsschemas eine formale Festlegung, die Varianten nicht ausschließt, im übrigen aber Wieprechts musikalische Grundkonzeption unverändert bestehen lässt.

Die verschiedenen Teile des Großen Zapfenstreich haben folgende Titel:
Teil a: Locken zu Großen Zapfenstreich
Teil b: Großer Zapfenstreich, Zapfenstreich Marsch
Teil c: Zapfenstreich der berittenen Truppen 1./2. und 3. Part
Teil d: Zeichen zum Gebet
Teil e: Gebet "Wir beten an die Macht der Liebe"
Teil f: Abschlagen nach dem Gebet
Teil g: Ruf nach dem Gebet
Teil h: Deutschlandlied

Anders als bei der Wieprecht'schen Konzeption des Großen Zapfenstreiches wird in Bayern als Teil b) der Bayrische Zapfenstreich und als Teil e) das Bayrische Militärgebet gespielt; in Sachsen stand als Teil b) der Sächsische Zapfenstreich.

Quelle
Musikzug Bergklänge
Zur Verfügung gestellt von
Friedrich Müller / Winfried Görres
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