Abgebildete Personen
Aufnahme: 1947
Der erste Maiclub in Heisterbacherrott nach dem Krieg. Maikönigspaar Lotti Wimmert und Josef Kessler
Der Maiclub. Im April versammelten sich die Mitglieder des Junggesellenvereins "Frohsinn" zur Versteigerung der Mädchen ab 16 Jahren und der nicht verheirateten Frauen des Ortes. Die Versteigerung verlief in der Form, dass der Namen eines zu versteigernden Mädchens vom Versteigerer aufgerufen wurde. Der Versteigerer wurde vorher von der Allgemeinheit bestimmt. Er nannte eine Geldsumme. Der Ausgangspreis richtete sich nach der Beliebtheit des Mädchens.
Nun konnte ein Interessent das Mädchen für die angesetzte Summe für den Monat Mai "kaufen". Zeigte nun jemand Interesse, das Mädel für den angesetzten Betrag zu kaufen, wurde diese Summe von anderen immer wieder überboten. Hatte jemand ein besonderes Interesse an einem bestimmten Mädchen, musste er weiter mit bieten, denn der Höchstbietende erhielt den Zuschlag. Alle Mädchen und unverheirateten Frauen inklusiv der Haushälterin des Pfarrers wurden als eine Einheit (als Rötzje = Rest)) versteigert. Maikönig wurde dann der Junggeselle mit dem entsprechenden Mädchen, welcher am höchsten geboten und dafür gezahlt hatte, vorausgesetzt, das Mädchen war einverstanden. In der Regel war es so, dass die Mädels stolz waren, wenn sie ersteigert wurden und gerne mitmachten. Aus diesem Kreis bildeten sich dann die Maipaare. Sehr begehrte Posten waren bei der Versteigerung der Doktor und die beiden Kontrolleure. In der Nacht zum ersten Mai bekam dann die Ersteigerte eine Buche als Maibaum ans Haus gesetzt, Stammdurchmesser mindesten 15 cm. Am ersten Mai brachte dann der Junge morgens seiner Ersteigerten einen Blumenstrauß.
Nachmittags erfolgte dann mit dem gesamten Maiclub ein Umzug durch den Ort, der in dem Wirtshaus endete, wo der Maiball stattfand. Zweimal in der Woche durfte dann der Junge sein ersteigertes Mädel zu Hause zu bestimmten Uhrzeiten besuchen (die Kommabende), die aber genau eingehalten werden mussten. Hierbei hatte der Junge beim ersten Wochentagsbesuch in einer Hosentasche eine Kartoffel und in der anderen eine Zwiebel mitzunehmen und beim zweiten Wochentagsbesuch diese beiden Gegenstände vertauscht in den Taschen zu tragen. Dem Doktor fiel die Aufgabe zu, der „Ersteigerten“ eine Medizin in Art von Süßigkeiten, einen Spaziergang oder Ähnliches zu verschreiben. Der Junge hatte dann dieses Rezept einzulösen. Die Aufgaben der Kontrolleure waren, all das genau zu überwachen. Bei Nichteinhaltung dieser Regeln musste der Junge Strafe zahlen. Die durch die Versteigerung eingenommene Geldsumme stand dann dem Maiclub für den Mittel- und Abschlussball zur Verfügung. Zu den Bällen wurden aber auch die Mädels eingeladen, die als eine Einheit versteigert worden waren. Ob sie dann zu den Bällen kamen, war eine andere Sache. Versteigert wurde im Verhältnis 1: 10, 0,10 Pfennig = 1,00 DM. Manch einem wurde durch diese Art das Freien erleichtert und manch eine Ehe ist daraus entstanden.
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