Abgebildete Personen
Aufnahme: 1925
Die "Volksjustiz" der Junggesellen von Heisterbacherrott
Ein Alt-Junggeselle berichtete 1965: Hatten sich die Junggesellen in früherer Zeit zum "Jura"-Holen versammelt, so kam es - allerdings sehr selten vor, dass der Bräutigam diese Gabe verweigerte. Ihn traf dann unter stillschweigender Zustimmung des ganzen Dorfes die Rache der Junggesellen. Ihm wurde "das Tier gejagt". Die Junggesellen versammelten sich in einer finsteren Nacht. Sie banden eine Menge alter Blechgeschirre mit einer langen Kette an einen zweiräderigen Wagen und zogen damit durch das Dorf, dahinter die vermummten Burschen, die Deckel gegeneinander schlugen, schrieen und johlten.
Vorauf lief ein Junggeselle, der an einer langen Stange ein mit Jauche getränktes Tuch trug. Die Einwohner hielten sich lauschend in den Häusern, denn sie wussten, wem dieser Höllenlärm galt. Wagte sich aber ein Vorwitziger ans Fenster, dann erhielt er einen Schlag mit dem "duftenden" Tuch ins Gesicht. Am Haus der Volksjustiz angekommen wurde Halt gemacht. Ein verkleideter Bursche, Stimme und Gebaren des Geizhalses nachahmend, stand auf der Karre, und von den Umstehenden wurden ihm nun alle Schandtaten und Fehler des Verfemten vorgeworfen. Dieses "Tierjagen" war sehr gefürchtet und nur ganz Abgebrühte setzten sich dieser Schmach aus.
Ehemänner, die ihre Frau misshandelten, erlitten dieselbe Strafe. Das Freien der Junggesellen bei ihren Bräuten durfte nur an bestimmten Wochentagen vor sich gehen. Auch diese Sitte hat sich bis auf den heutigen Tag, besonders im Maimonat, erhalten. "Kommovende" waren dienstags, donnerstags und samstags. Die anderen Abende nannte man "Bottermellechovende". Das Mädchen durfte beim Spaziergang nur an der rechten Seite des Burschen gehen, da die linke Seite die "Bottermellechseck" (Buttermilchecke) genannt wurde.
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