Abgebildete Personen
Aufnahme: 1972
Das gesamte Tambourcorps Siebengebirge Thomasbergs e.V.
Das Tambourcorps "Siebengebirge" Thomasberg e. V. hat irgendwann das
Gründungsjahr 1922 in den Vereinsnamen aufgenommen, doch man muß nach dem
Studium der Versammlungsprotokolle des damaligen Turnvereins, aus dem das
Tambourcorps hervorging, Zweifel an der Richtigkeit dieser Gründerzahl anmelden. Im
Turnverein begann man 1920 einen Spielmannszug aufzubauen und 1922 wurde Josef
Büsgen, der Leiter dieses Zuges, als Tambour zusätzlich in den Vorstand des Turnvereins
gewählt. Also war man da noch im Verein, von einer Verselbständigung in diesem Jahr ist
nirgends die Rede. Im Gegenteil, noch 1923 beschloß der Vorstand des TV im Rahmen des
seit langem schwelenden Streites zwischen den "normalen" und den "Tambour-Turnern"
strenge Bedingungen für die Musikleute. Sie durften im Tambourcorps nur mitspielen, wenn
sie auch turnten. Erst 1924 wurden die Instrumente an die Spielleute, also an das nunmehr
selbständige Corps, verkauft.
Trotzdem sollten wir nicht auf diesem unbestreitbaren Zusammenhang herumreiten, denn
erstens, wenn es von 1920 bis 1924 gedauert hat, das Tambourcorps zur Selbständigkeit zu
bringen, dann ist 1922 eine gute Mitte. Und die Tatsache, daß Josef Büsgen 1922 als
Tambour in den Vorstand des TV gewählt worden ist, läßt auf eine gewisse vereinsinterne
Selbständigkeit schließen. So gesehen ist 1922 auch nicht schlecht gewählt. Bleiben wir
also bei 1922, selbst wenn wir das jetzt anders begründen müssen.
Daneben wissen wir ziemlich zuverlässig, daß es schon sehr viel früher ein Kuxenberger
Tambourcorps gegeben haben muß, damals unter dem Dach des "Kameradenvereins", denn
in einem alten Protokollbuch dieses Vereins, das bei den Proben des Gesangvereins und des
Tambourcorps nach dem letzten Krieg noch beim Wicharz Pitter in einer Vitrine lag und von
den Jüngeren in den Probenpausen mit Schmunzeln gelesen wurde, da war von
"Knüppelchens-Jungen" die Rede, die ihre Kirmesauftritte immer mit einer zünftigen Runde
und einem "Hoch auf den Kaiser!" abschlossen.
Adof Röttgen Josef Büsgen und Josef Mehren
Josef Büsgen führte das Tambourcorps als Vorsitzender, als Ausbilder und als Tambour in
die 30er Jahre. Eine der wenigen Unterlagen, die über diese Zeit etwas aussagen, leider ohne
sichere Authentizität, berichtet, daß beim "Maiumzug" 1934 so große Unstimmigkeiten im
Corps ausbrachen, vermutlich beim Streit über politische Ansichten, daß es sich auflöste.
Kurz danach heuerte Walter Schaumann, der Fähnleinführer beim Thomasberger
"Jungvolk", Josef Büsgen an, im Jungvolk einen Spielmannszug aufzubauen. Die Jungs
spielten prima und bekamen im Herbst 1937 durch eine Spende der Basaltwerke Willmeroth
sogar einen eigenen Jugendtambourstab, den Jakob Henseler und Josef Mehren mit dem
Fahrrad in Bonn im heutigen Haus der Musik abholten und mit dem danach der kleine Julius
Wallau stolz den Takt angab. Das, was sie hier lernten, das konnten Josef Mehren, Paul
Otto, Theo Wilberg, Walter Müller u. a. m. 1950 beim Neubeginn gut gebrauchen.
Es begann offiziell mit der Versammlung am 01.06.1950, die Josef Büsgen zum 1. und
Christian Simon zum 2. Vorsitzenden wählte, Paul Otto zum Kassierer und Josef Mehren
zum Schriftführer. Christian Simon stellte in einem Spezialverfahren aus dem Fell von
Ziegen und Schafen die ersten Trommelfelle her. Der erste öffentliche Auftritt war dann am
10. September 1950, als man mit der Sammelbüchse über die Strüch zog und für Uniformen
und Instrumente sammelte. Und man übte schon den Großen Zapfenstreich. So ging es
aufwärts.
1955 übernahm Josef Mehren den Vorsitz und die Stabführung. Damit begann eine enge
Zusammenarbeit mit dem "Gesangverein Gemischter Chor 1867" zwecks gemeinsamer
Gestaltung der örtlichen Feste, insbesondere des Karnevals. Man gründete das
Karnevalskomitee Blau-Weiß und im darauffolgenden Jahr das Tanzcorps Blau-Weiße
Husaren. Der Spielmannszug wurde 1955 um einen Fanfarenzug, bestehend aus 6 Fanfaren
und einer Landsknechtstrommel, erweitert. Die Auftritte wurden noch glanzvoller. Später,
als das zwischen den Vereinen auszugleichende finanzielle Risiko doch zu groß schien und
der Karneval auch nicht mehr so nebenher organisiert werden konnte, übergab man diese
Aufgabe dem Bürgerfestausschuß.
1972 übergab Josef Mehren den Vorsitz an Eugen Koch und die Tambourführung an
Dietmar Neuhöfer. 1981 stellte der Ausbilder Herbert Rupp das Corps auf Noten um,
schreibt die 1992er Festschrift. Nicht unerwähnt bleiben sollten die Verdienste von Theo
Kurenbach bei der Ausbildung von Kindern und Jugendlichen in der Kunst des Tambour-
Pfeifens mit der Querflöte.
1982 wurde Reinhard Willwerts Erster Vorsitzender, 1986 Rainer Steeg Tambourführer.
1987 durfte das Corps das Kreismusikfest Bonn-Rhein-Sieg ausrichten. Daß das
Tambourmusizieren längst nicht mehr als reine Männerdomäne gilt, beweist allein die
Tatsache, daß die stellvertretende Vorsitzende eine Frau ist: Karin Rödl.
Die Zahl der öffentlichen Auftritte in nah und fern und der errungenen Auszeichnungen im
musikalischen Wettstreit ist Legion, man kann sie nur summarisch erwähnen. Vielleicht
sollte man den Wettstreit von 1984 in Duisburg-Rheinhausen hervorheben, wo unser
Tambourcorps zwei erste Plätze belegte und insgesamt die höchste Punktzahl von allen
Corps erreichte und dafür einen weiteren Pokal erhielt.
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