THOMASBERG -Das Handballdorf am Fuße der sieben Berge-

Abgebildete Personen

Aufnahme: 1965

THOMASBERG -Das Handballdorf am Fuße der sieben Berge-

Dies ist nicht etwa die Schlagzeile irgendeines Boulevardblattes, es ist auch nicht die kitschige Verherrlichung von irgendwelchen Sportfanatikern. Nein, es ist Wirklichkeit. "In Thomasberg bringen die Mütter ihre Söhne mit dem Handball zur Welt", sagte Amtsdirektor Meurer auf der Aufstiegsfeier des Turn- und Sportvereins Thomasberg. Mit dieser Feststellung traf er wohl den Nagel auf den Kopf. Es gibt wohl sehr wenige echte "Strücher", die nicht in den letzten Wochen voller Spannung und Aufmerksamkeit die Aufstiegskämpfe zur Handball-Oberliga interessiert verfolgten. Als dann der Aufstieg feststand, da kannte die Freude der Thomasberger keine Grenzen. Hier zeigte sich wieder einmal mehr, welch echter Gemeinschaftsgeist die Thomasberger zusammenhält; denn ob alt ob jung, sie alle waren stolz auf ihren TuS 1913/30. Mit einem imponierenden 20: 10 Sieg über die punktegleiche Mannschaft aus Aachen hat der TuS Thomasberg nun zum dritten Male in seiner über 50-jährigen Vereinsgeschichte, nämlich 1951, 1960 und 1965 den Aufstieg in die höchste Spielklasse geschafft. Aber auch die übrigen Mannschaften waren nicht weniger erfolgreich. So stieg die 2. Mannschaft in die Landesliga, die 3. Mannschaft in die Kreisliga auf und die Jugendmannschaft wurde, wie im Vorjahr, Kreismeister. Wie viel intensives Training, wie viel Fleiß, Beharrlichkeit und Idealismus hinter diesen Erfolgen stehen, mögen nur die wirklich Beteiligten ermessen können.

Der Aufstieg der 1. Mannschaft des TuS Thomasberg in die Oberliga wurde selbstverständlich gebührend gefeiert. Zu einer Feierstunde im Thomasberger Hof trafen sich die Sportler, Freunde und Gönner des TuS 1913/30,darunter zahlreiche Ehrengäste, wie Amtsbürgermeister Anton Weber, Amtsdirektor Peter Meurer, Rechtswart Willi Lorke, als Vertreter des Handballverbandes Mittelrhein und des Kreises Sieg, die Lehrerschaft von Thomasberg sowie Vertreter vieler auswärtiger Vereine. Im Mittelpunkt des Abends standen mehrere Ehrungen. So erhielt der 1. Vorsitzende des TuS Thomasberg Willy Weber die silberne Ehrennadel von Rechtswart Willi Lorke vom HVM überreicht. Der verdienstvolle Spieler Werner Röttgen wurde für seine langjährige Aktivität mit einer Ehrenplakette vom Vorsitzenden des Vereins ausgezeichnet. Röttgen war bei allen drei Aufstiegsspielen zur Oberliga (51, 60, 65) dabei. Außerdem ehrte der 1. Vorsitzende noch weitere 6 Spieler für besondere Verdienste um den Verein. Und hier die Namen der am Aufstieg beteiligten Spieler der 1. Mannschaft: Heinz Damm, Erwin Hovenbitzer, Knut Inderfurth, Herbert Losem, Erich Assenmacher, Josef Gaida, Paul Czerwonka, Hermann Josef Thomas, Günter Schmidt, Hans Theo Oehm, Paul Rossler, Karl Heinz Thomas, Werner Röttgen, Reiner Bellinghausen, Wilfried Raths, Trainer Egon Nießen, Obmann Michael Zens.

Die verständliche Freude und der Jubel um den Aufstieg wird jedoch von einer ernsthaften Sorge überschattet. Den Thomasbergern fehlt ein geeignetes Sportplatzgelände mit Umkleide- und Waschgelegenheiten. "Können wir den Spielern unserer gegnerischen Mannschaften auch in der Zukunft zumuten, dass sie sich in einer Waschküche unseres Vereinslokals Schmutz und Schweiß abwaschen?" - Diese ernste Frage stellen sich die Verantwortlichen des TuS Thomasberg immer wieder. Jetzt, nachdem der Aufstieg in die Handball-Oberliga glückte, werden Mannschaften in Thomasberg spielen, die wirklich von den primitiven Wasch- und Umkleidegelegenheiten des TuS erschüttert sein dürften. Wird nun endlich von seiten der Gemeinde etwas getan werden? Bürgermeister Anton Weber erklärte zwar auf der Aufstiegsfeier im Thomasberger Hof, dass nun seitens der Kommune das Sportplatzproblem behandelt werde; aber die Thomasberger sind skeptisch, zumal ihnen vor Jahren ein Grundstück am "Herzeleid" zugesagt worden war, das jedoch später als Friedhof angelegt wurde. Dabei haben die Thomasberger augenblicklich einen Sportplatz, der mit seiner landschaftlichen Lage wohl einer der schönsten im Siebengebirge ist. Von herrlichen Mischwäldern umgeben liegt er auf der Kuppe des Limberges. Der Limberg, auch Limperichsberg genannt, wurde in früheren Jahren wegen seiner reichhaltigen Basaltvorkommen von der Firma J. G. Adrian in Oberkassel aufgekauft und ausgebeutet. Der Betrieb wurde jedoch 1943 eingestellt. 

Als sich nach dem 2. Weltkrieg die Sportbegeisterten des TuS Thomasberg zu neuer Vereinsarbeit zusammenfanden, stellte man fest, dass der Sportplatz auf den Halden am "Stüß-Bruch" in seinen Ausmaßen den modernen Bestimmungen nicht mehr entsprach. Auf der Suche nach einem neuen geeigneten Sportplatzgelände kam man auf die Idee, die Schutthalden am Limberg umzugestalten. Als die Firma J. G. Adrian ihre Erlaubnis zum Umbau gab, ging man mit Feuereifer an die Arbeit. In unermüdlichem Fleiß rodeten die Vereinsmitglieder in freiwilliger Arbeit den Wald und nach mehr als 2500 cbm Erdbewegung entstand der heutige Sportplatz, der am 2. Mai 1948 feierlich eingeweiht wurde. Mit der Firma J. G. Adrian, Basaltwerke Oberkassel, besteht kein Vertrag. Bei einer plötzlichen Aufforderung zur Räumung des Geländes wäre der TuS Thomasberg ohne Sportplatz. Die Firma erlaubte bisher auch nicht den Bau von Wasch- und Umkleideräumen. Ebenfalls wäre ein Parkplatzgelände dringend erforderlich, da die Zuschauerzahlen (größtenteils motorisiert) in den letzten Jahren ständig zunahmen.
Für alle diese baulichen Notwendigkeiten wäre auf dem Sportplatzgelände am Limberg genügend Platz vorhanden.

Der TuS Thomasberg tritt darum noch einmal mit der Bitte an die Gemeinde heran, dem Fabrikanten Adrian aus Oberkassel ein gleichwertiges oder etwas größeres Grundstück im Tauschverfahren anzubieten. Eine Wiederaufnahme des Basaltsteinbruches durch diese Firma erscheint sowieso unrealistisch und unrentabel, da 1. die Basaltvorkommen am Limberg nur noch sehr gering und die Transportmöglichkeiten sehr kostspielig sein dürften; und 2. die Firma J. G. Adrian ihre Brechanlagen in andere viel ausbeutungsfähigere Gegenden verlegt hat, so z. B. "Am Stöffel" bei Enspel im Kreis Marienburg. Wir alle wollen hoffen, dass in dieser Angelegenheit bald etwas geschieht und wünschen den Aktiven und Inaktiven des TuS Thomasberg weiterhin viel Erfolg.
Heinz Wicharz

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 29 vom 16. 07. 1965 und Nr. 3o vom 23. 7. 1965
Zur Verfügung gestellt von
Paul Winterscheidt
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