Der Junggesellenverein Thomasberg vor der Gaststätte Otto in Thomasberg/Steinringen

Abgebildete Personen

Aufnahme: 1954

Der Junggesellenverein Thomasberg vor der Gaststätte Otto in Thomasberg/Steinringen

 Der Junggesellenverein Thomasberg hat Vorgängervereine, die bis ins vorige Jahrhundert
hineinreichen. Das ist irgendwie überliefert und auch nahe liegend. Nur wissen wir darüber
nicht viel. Der Junggesellenverein "Eintracht Thomasberg" muss eine Nachkriegs-
Neugründung nach dem ersten Weltkrieg gewesen sein, denn dort finden wir zum ersten
Mal den Namen "Thomasberg" in einem Vereinsnamen, alle vorhergehenden benannten sich
nach "Kuxenberg". Auf der nach dem zweiten Weltkrieg beschafften Vereinsfahne ist als
(erstes) Gründungsjahr 1886 angegeben. Es spricht nichts dagegen, daß das richtig ist.
Mithin ist der Junggesellenverein der zweitälteste Verein auf der Strüch. Im ständigen
altersschichtbedingten Auf und Ab musste er immer wieder mal neu ins Leben gerufen
werden.
Im Herbst 1948 fanden sich 58 Strücher Junggesellen, junge, ganz junge und auch einige
ältere, und gründeten bei Raths in Thomasberg erneut einen Thomasberger
Junggesellenverein. Vorsitzender wurde Peter Gast aus Bellinghauserhohn, Schriftführer
und Kassierer zugleich Josef Mehren aus Thomasberg. Beisitzer wurden Franz
Bellinghausen, bekannter als Hofs Franz aus Bellinghauserhof, und Christian Simon aus
Steinringen. Die ersten Fähnriche, Alfred Bellinghausen und Heinz Ottersbach, ließen sich
von den "Altfähnrichen", denen aus der vormaligen "Eintracht", das Fähndelschwenken
beibringen.
Die Thomasberger errangen rundum Schwenk- und Beteiligungspreise, denn
man tat das, was Junggesellen am liebsten tun: Feste feiern und Feste besuchen, immer feste!
Mit der ersten Thomasberger Kirmes am ersten Sonntag im August ließ man auch den alten
Brauch des Paias-Begrabens wieder aufleben.
1950 wurde zum ersten Mal nach dem Krieg wieder ein Maibaum gesetzt und dann auch mit
einem eigens dazu gebildeten Maiclub alte Maibräuche wieder belebt. Das begann mit der
Mailehenversteigerung am Vorabend zum 1. Mai, bei der die noch nicht verheirateten
Mädchen der Strücher Dorfschaften höchstbietend versteigert wurden. Dabei machte es
Spaß, jemand, der unbedingt "sein" Mädchen ersteigern wollte, durch ständiges Überbieten
zum Höchstgebot zu treiben. Man musste nur aufpassen, daß man als Überbieter nicht
unerwartet auf seinem Gebot hängen blieb und jetzt eine nicht gewollte Maibraut am Halse
hatte.
Wer das höchste Gebot des Abends abgab, also am meisten bezahlte, wurde Maikönig,
seine ersteigerte Maibraut Maikönigin. In der Nacht noch wurden den ersteigerten
Maibräuten Maibäume ans Haus gesetzt. Dann musste der Maibräutigam den ganzen Mai
lang jede Woche an einem bestimmten Abend sich bei seiner Maibraut einfinden und in
Ehren mit ihr plaudern. Eine Maipolizei kontrollierte, ob das geschah und ob die Jungs eine
Zwiebel in der linken Hosentasche trugen, das war Vorschrift. Bei Verstößen musste kräftig
in die Maikasse gezahlt werden.
Übrigens: die Auktionatoren im Jahre 1950 waren Peter Gast und Josef Mehren, das erste
Maikönigspaar Josef Otto und Franziska Reck.
Ein weiterer sehr alter Brauch, das Pfingseiersammeln (s. im Kapitel über den Ölberg), ist
mal hier, mal da aufgeflackert, aber mehr auf die Ortsburschenschaft begrenzt. Von den
Gronewälder Junggesellen wird derartiges noch aus den 80er Jahren berichtet.
1952 organisierte der Junggesellenverein Thomasberg das erste überörtliche
Junggesellenfest mit Preisfähndelschwenken. Der Natur der Sache nach wechselten jetzt die
Vorsitzenden öfter als in anderen Vereinen. Wer will schon ewig Junggeselle bleiben? Nach
Josef Mehren kam Gerd Dahm, aber ansonsten kriegt man das nicht mehr in die Reihe, denn
Aufzeichnungen hierüber scheint es nicht zu geben.
1971 wurde der Junggesellenverein nach dreijähriger Ruhepause mal wieder zu neuem
Leben erweckt. Vorher hatten die Einberufungen zur Bundeswehr jeden Ansatz immer
wieder vereitelt, einmal wurde sogar der ganze Vorstand auf einmal weg(ein)berufen. Jetzt,
1971, wählten sich die Junggesellen Dieter Wilberg zum ersten und Peter Kläffgen zum
zweiten Vorsitzenden, die Brüder Radermacher zu Schriftführern und Franz-Peter Krekel als
Kassierer. Man beschloss den Beitritt zum Bürgerfestausschuß. 1981 wurde Hans-Jürgen
Hoppe Vorsitzender. Er versuchte 1984, die alten Maibräuche wieder zu beleben. Um diesem
Vorhaben den richtigen Anschub zu geben, kam man auf die nostalgische Idee, das
Maikönigspaar von 1956, Paul und Marlies Dahm, genau wie damals mit einer Kutsche über
die Strüch zu kutschieren.

Quelle
Wili Schmidt, Die Strüch eine Chronik von Thomasberg, Seite 81 - 83
Zur Verfügung gestellt von
Walter Weber
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Vereine Thomasberg
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