13. Verbandstag des Kreis-Krieger-Verbandes Sieg

Aufnahme: 1907

13. Verbandstag des Kreis-Krieger-Verbandes Sieg

Abschrift:
Kuxenberg bei Oberpleis, 5. Mai 1907.
Dem Verbandstag war ein schöner Tag, ein echter sonniger Maientag beschieden. So wurden die Bemühungen des Kameradschaftlichen Vereins Kuxenberg für die sinnige Ausschmückung des Ortes in's rechte Licht gesetzt. Der Besuch war ein sehr starker. Während die Kameraden der Nachbarvereine aus allen Richtungen der Windrose herbeiströmten, brachte ein Sonderzug der „Heisterbacher Talbahn" die Delegierten von Rhein, Sieg, Agger und Bröl. Mit einer Musikkapelle empfing der festgebende Verein seine Gäste an der Kopfstation Grengelsbitze und geleitete sie zum Saale des Kameraden H. Reusch. Dort richtete zunächst Herr Bürgermeister Komp=Oberpleis herzliche Begrüßungsworte an die Kameraden. Redner wünschte den ernsten Verhandlungen reichsten Segen und angenehme Stunden der Erholung. Der Vorsitzende des Verbandes Herr Oberstabsarzt der Landwehr Dr. Hersing=Hennef dankte für den freundlichen Empfang, womit der Verein seiner bewährten treuen Kameradschaft beredten Ausdruck verlieh und gedachte speziell des wiederum anwesenden 90jährigen Veteranen Bode=Siegburg, ihm noch viele Jahre körperlicher und geistiger Rüstigkeit wünschend. Nach Verlesung verschiedener schriftlicher Grüße von dienstlich verhinderten Ehrenmitgliedern, u. a. des Herrn Landrates Freiherrn von Dalwigk trat man in die Tagesordnung ein. Die Verlesung der Anwesenheitsliste ergab, daß von 64 Vereinen 53 durch Delegierte vertreten waren. Der Vorsitzende bemerkte in einer Ansprache, wenn es auch vielen wegen des hohen Alters nicht mehr vergönnt sei im Bedarfsfalle des Kaisers Ruf zu folgen, so hätten sie als Väter die Pflicht, ihre Söhne als vaterlandstreue Soldaten vorzubilden, damit sie dereinst in die Spuren der Veteranen eintreten möchten. Die Rede schloß mit stürmisch aufgenommenem 3fachen Hurrah auf den obersten Kriegsherrn.

Der Verlesung des Protokolls über den 12. Verbandstag vom 13. September v. J. in Honnef, folgte der Geschäfts= bezw. Kassenbericht. Dementsprechend zählt der Verband 4498 Mitglieder, oder 371 mehr wie im Vorjahre, darunter sind noch 911 Kriegsveteranen. Von Letzteren wurden 12 im verflossenen Jahre durch den Tod zur großen Armee abberufen. 27 Unterstützungsgesuche wurden befürwortet und 5 Sanitätskolonnen sind organisiert. Von den Einnahmen 2435,40 M. wurden 1220,10 M. an den Landes= und 81,34 Mk. an den Bezirksverband abgeführt. Zur Erhaltung der Kriegergräber in Elsaß=Lothringen sandte man 50 Mk. ein. Somit ergab sich ein Kassenbestand von 764,34 M. Dem Kassierer wurde Decharge erteilt. Von der Entsendung eines Abgeordneten zum deutschen Kriegerbundestag in Thorn soll wegen der hohen Kosten, ca. 300 Mk., in diesem Jahre abgesehen werden.

Der Vorsitzende bedauert das geringe Interesse gegenüber der Unterstützungskasse und des Organs „Parole“.— Bei einem Reinertrag von 270 000 M. der„Parole“, wurden 180 000 an die Verbände zurückvergütet und 90 000 M. dem Unterstützungsfonds zugeführt.

Das Gleiche gelte, so bemerkte der Vorsitzende, von dem Jahrbuch des deutschen Kriegerbundes. Von dem Reinertrag desselben seien im letzten Jahre rund 12 000 Mk. an die Verbände zurück vergütet worden. Seitens des deutschen Kriegerbundes wurden bisher an Unterstützungen gewährt: a an Witwen 500 000 Mk.; b für Notstände 90 000 Mk.; c für Waisenhäuser 1 790 000 Mk.; d an die Verbände 390 000 Mk.; Summa 3 770 000 Mk. Gegenüber diesen enormen Summen sind die Beiträge 30 Pfg. pro Mitglied und Jahr, wovon 24 Pfg. für Unterstützungen Verwendung finden, ganz minimal zu nennen. Gesuche um Beihülfen sind bis zum 1. Februar, bezw. 1. September an die Verbände zu richten. Die Unterstützungen gelangen in jedem Jahre am 27. Januar (Kaiser=Geburtstag) und am 22. Oktober (Geburtstag der Kaiserin) zur Auszahlung an die Antragsteller. Der deutsche Kriegerbund besitzt jetzt vier Waisenhäuser, deren Verwaltung jährlich 128 000 Mk. beansprucht, während sie über ein Stiftungsvermögen von 850 000 Mk. verfügt. Kamerad Schurz widmete der Bundessterbekasse eine warme Empfehlung, die bei einem Monatsbeitrag von 35 Pfg., 100 Mk. bei einem Sterbefall auszahle. Interessante Aufklärungen aus der Praxis der Haftpflichtversicherung kamen zur Sprache, wobei Herr Amtsrichter Molly=Siegburg die rechtlich=juristische Seite dieser Versicherung erläuterte und betonte, daß Entschädigungen nur auf Grund eines rechtsgültigen Urteils laut § 831 des bürgerlichen Gesetz=Buches zur Auszahlung gelangten. Redner empfahl im Bedarfsfalle seine Vermittlung in Anspruch zu nehmen, damit gleich im Anfange der richtige Weg zur Geltendmachung der Ansprüche eingeschlagen würde. Als Ort des nächsten Verbandstages wurde einstimmig Siegburg gewählt und für 1908 Frühjahr Lohmar bezw. Herbst Ittenbach vorgemerkt. Gegen 1 Uhr begann das Festessen im Lokale des Kameraden Theodor Raths, woran sich über 100 Personen beteiligten. Um halb 4 Uhr fand Paradeaufstellung und Parademarsch statt, dem sich bei schönstem Wetter ein solenner Festzug anreihte.

Quelle
Echo des Siebengebirges vom 7. Mai 1907 (im Archiv der Universitäts- und Landesbibliothek Bonn)
Zur Verfügung gestellt von
Clemens Bröhl
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