Aufnahme: 1949

Die Schlagkarre, der Kippwagen in der Landwirtschaft

Sattel und Karre in der Landwirtschaft
Jahrzehntelang stellte die Kippkarre- auch "Schlagkarre" (s.u.) genannt - in der rheinischen Landwirtschaft das wichtigste, Fahrzeug überhaupt dar. Auch nach der großen Motorisierung
der Landwirtschaft in den fünfziger Jahren konnte sie sich mit gewissen technischen Anpassungen zunächst noch halten.

Die Kippkarre entspricht den Verhältnissen in der rheinischen Landwirtschaft in fast idealer Weise: Die Gehöfte sind, bedingt durch die Dorflage häufig eng und zumeist in sich geschlossen. Sie verfügen über eine einzige Einfahrt. Im Hofraum wie auch in den Ställen und Scheunen ist die Bewegungsfähigkeit äußerst begrenzt. Nur mit wendigen Fahrzeugen lassen sich daher die notwendigen Hofarbeiten verrichten.
Als Einachser bietet die Kippkarre hier wesentliche Vorteile. Zudem kann sie mittels eines einfachen Mechanismus geöffnet, "aufgeschlagen" werden, so dass das mühsame Entladen überflüssig wird. Sogar zum Laden großer Getreidefuder lässt sich die Karre benutzen, wenn sie mittels eines einfachen Rahmens umgerüstet wird.
Auch das Pferdematerial entsprach den Anforderungen dieses Fahrzeuges bzw. konnte durch züchterische Maßnahmen entsprechend angepasst werden: Das rheinische Kaltblutpferd verfügt über ausreichende Kraft, um eine voll beladene Kippkarre - Nutzlast bis zu 30 Zentnern - aus dem Dreck zu ziehen (im Notfall können auch zwei Pferde in Tandem-Art vorgespannt werden). Es ist darüber hinaus auch im Rückgrat stark genug gebaut, um die Last der Karre zu tragen, wenngleich diese in der Regel, d.h, bei fachmännischen Laden erstaunlich gering bleibt. (maximal schätzungsweise 50 kg)
Vor allem aber zeichnet sich das Kaltblutpferd gerade in der Karre durch Temperament aus. Mitunter gehen diese Pferde beim Zurücksetzen in Stall oder Scheune besonders schwungvoll.

Hier eine Aufstellung über Fuhren und Kosten von Steinen vom Stenzelberg nach Königswinter in der Zeit 1922/23/24. In den Preisen spiegelt sich die Inflationszeit. 

Quelle
Dr. Wilhelm Gieseke
Zur Verfügung gestellt von
Friedrich Müller / Winfried Görres
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Agrarbereiche
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