Aufnahme: 1945 (ca.)
Die Krautküche auf dem Bauernhof Gierlach
Die Krautküche, in der die Früchte zum Herstellen des Apfelkrauts stundenlang gekocht wurden, stand neben dem Wohnhaus an der Durchgangsstraße nach Stieldorferhohn (Foto oben, im Hintergrund, ca.1943). Vorne stehen die Enkelkinder Therese und Hermann Josef, die auf die Namen ihrer Großeltern getauft worden waren, was in der damaligen Zeit sehr häufig vorkam.
Über Hermann Josef Gierlach (Foto unten) kann einer seiner Urenkel noch einiges berichten, was er aus überlieferten Erzählungen erfahren hat:
"Hermann-Josef Gierlach war ein ausgesprochen großer und starker Mann; er war u.a. in der Lage, einen 2-Zentner-Kornsack in der Scheune alleine vom Boden aufzuheben und sich auf die Schulter zu legen.
Die Familie verdiente sich ein Zubrot mit dem Verkauf von Apfel- und Birnenkraut, welches auf dem Bonner Wochenmarkt verkauft wurde. Die von eigenen Bäumen geernteten Früchte wurden zu diesem Zweck in der Küche in großen Kesseln auf dem Feuer stundenlang eingekocht, wobei die Masse ständig gerührt werden musste, damit sie nicht anbrannte. Dies war teilweise nicht ungefährlich, da auch über Nacht gekocht wurde und derjenige, der nachts rühren musste, beim evtl. Einnicken in den Kessel mit dem kochendheißen Fruchtbrei zu fallen drohte.
Auf dem Bonner Wochenmarkt wurde die Ware dann in großen Töpfen offen feilgehalten und den Käufern aus dem Topf abgefüllt. Die feinen Damen der Gesellschaft probierten häufig – wenig damenhaft –, indem sie im Vorbeigehen einen Finger in das Apfel- oder Birnenkraut tauchten und den Finger im Weitergehen ableckten. Hermann-Josef Gierlach ärgerte sich hierüber regelmäßig. Als wieder einmal eine junge Dame im Vorbeigehen den Finger eintauchte, fasste er ihren Arm und drückte den gesamten Arm einschließlich Kleidung in das Apfelkraut mit der Bemerkung: 'Su, jetzt kannste lecke!'"
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